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Donnerstag, 24. September 2009

Eine neue Chance für die Liebe

In unserem gestrigen Beitrag erklärten wir das Empty Nest Syndrom, das die psychologischen Auswirkungen des Auszugs der eigenen Kinder beschreibt und erklärt. Auf Mütter und Väter wirkt sich das Flügge-Werden des Nachwuchses dabei unterschiedlich aus. Die entscheidende Frage ist aber: Was passiert mit dem Verhältnis der Eltern untereinander, wenn die Kinder ausgezogen sind?

'Mutter' und 'Vater' werden plötzlich oder schleichend wieder 'Full-Time-Partner'. Die Beziehung muss nun wieder auch ohne die ständige Anwesenheit der Kinder ausgefüllt und bereichert werden. Die Scheidungsstatisken belegen, dass diese Umstellung, diese Wieder-Einstellung auf den Partner beiden Elternteilen oft nicht gelingt. Vor allem dann, wenn sich die Lebenspartner in den Jahren der Kindererziehung gegenseitig primär als Eltern wahrgenommen haben. Kosenamen wie 'Mutti' oder 'Papa' verraten bereits oft die eigene Sicht vom Partner, der ja eigentlich einmal Objekt der eigenen Begierde war und Diskussionspartner für Beziehungsfragen.

Ohne Frage bestimmen auch die vielfältigen Probleme, die sich bei der Kindererziehung ergeben, mit der Zeit die Interaktions- und Kommunikationsmuster zwischen den Partnern. Und sehr oft leidet die Harmonie einer Beziehung unter der Kindererziehung. Sind die Kinder dann aus dem Haus, ist die Harmonie schon so empfindlich gestört, dass ein Umdenken schwer fallen kann.

Der Schlüssel zu einem neuen Partnerschaftsglück lautet dann wie so oft: Gelungene Kommunikation. Aller Anfang ist, dass beide Partner die neu gewonnenen Freiräume als Chance begreifen. Auf dieser Grundlage können sie dann gemeinsam Ziele definieren, Visionen für die nächsten Jahre entwickeln, Wünsche kommunizieren und den Status der Beziehung klären. Leitfrage dabei: Welche Träume sind nun gemeinsam realisierbar?



gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Quellen: Papastenfanou, Christiane (1997): Auszug aus dem Elternhaus. Aufbruch und Ablösung im Erleben von Eltern und Kindern
Statistisches Bundesamt (2002) (Hrsg.): Datenreport 2002, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn

Dienstag, 8. September 2009

Positive Erziehung überdauert Generationen

Der Einfluss einer positiven Erziehung wirkt sich über Generationen aus - zu diesem Ergebnis kommen der Psychologe Dr. David Kerr und seine Kollegen von der Oregon State University. Sie werteten Daten einer seit 1984 laufenden Langzeitstudie aus. Daran nahmen unter anderen 206 Jungen teil, die zu Beginn der Studie als "hoch risikobehaftet" für spätere Delinquenz bezeichnet wurden. Die Forscher untersuchten
  • Entwicklung,
  • Persönlichkeit und
  • erzieherisches Umfeld der Jungen,
die sich jährlich mit ihnen trafen. Als die Jungen älter wurden, gründeten sie ihre eigenen Familien und ihre Lebenspartnerinnen und Kinder nahmen ebenfalls an der Studie teil.

Ein positiver Erziehungsstil definiert sich laut Kerr vor allem aus
  • Wärme,
  • dem fürsorglichen Überwachen der Aktivitäten des Kindes sowie
  • mitfühlendem Verständnis und
  • einer konsistenten Disziplin (kein autoritäres Elternverhalten, aber klare und dem Kind verständliche Verhaltensregeln).
Kinder, die einen positiven Erziehungsstil genossen hatten, entwickelten mehr und tiefere Freundschaften mit anderen in ihrer Jugend.
Außerdem hatten sie bessere Noten und engagierten sich mehr in der Schule.
Und das Wichtigste: Sie hatten als Jugendliche mehr Selbstwertgefühl als diejenigen, die in ihrer Kindheit vernachlässigt oder bedroht worden waren.

Kerr nimmt deshalb an, dass "eine gute Erziehung nicht nur vor Selbstzweifeln und Delinquenz schützt. Sie führt vor allem dazu, dass man als Jugendlicher und junger Erwachsener mehr positive Verbindungen zu anderen Menschen aufbauen kann. Was sich wiederum darauf auswirkt, wie man sich mit Lebenspartnern versteht und wie man seine eigenen Kinder behandelt."


Die Forschung von Dr. Kerr und seinen Kollegen zeigt deutlich die Nachhaltigkeit von Erziehungsmaßnahmen: Wenn wir heute unseren Kindern mit Wohlwollen, Wärme und konsistenten Regeln begegnen, werden uns noch unsere Enkel dafür danken.


gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Quelle: Oregon State University, Dpt. Psychology