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Freitag, 5. November 2010

Konstruktiv streiten in der Partnerschaft

Wie lernt man, positiv zu streiten?

Man sollte damit beginnen, dass beide Partner sich ihrer Position sicherer und ihres Selbstwertes bewusster werden. Gleichzeitig sollten die Gemeinsamkeiten geschätzt und die Unterschiede berücksichtigt werden.


Das hat zur Folge, dass das Zugehörigkeitsgefühl zueinander wächst. Man hat sich durch Meinungsverschiedenheiten als unterschiedlich erkannt und fühlt sich dennoch vom anderen akzeptiert und geliebt. Im Sinne der Weisheit der englischen Diplomaten: "Let's agree to disagree", also: "lass uns übereinstimmen, dass wir hier verschiedener Meinung sind".

Und man sollte sich stets erinnern, dass man durch Diskussionen und ausgetragene Meinungsverschiedenheiten wacher wird für die Herausforderung, für Kritik, und sich damit für sämtliche Lebensbereiche rhetorisch bessern kann, das heißt, man wird bewusster in Bezug auf das, was man wahrnimmt und wie man sich äußert. Damit wird man kommunikationsfähiger und partnerschaftsfähiger.


gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer
Quelle: Lermer, Stephan.
Liebe und Lust. Mary Hahn Verlag

Dienstag, 14. September 2010

Ärger am Arbeitsplatz?

Konstruktiv Streiten ist eine Kunst - auch am Arbeitsplatz.
Dr. Stephan Lermer gibt einen kurzen Einblick, wie Sie es zukünftig besser machen können und welche Spielregeln Sie beachten sollten (Rundfunkinterview/BLR):





gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Quelle: BLR Radiodienst / Institut für Persönlichkeit und Kommunikation

Freitag, 30. Juli 2010

Wenn der Respekt fehlt - stirbt irgendwann die Liebe

Sie: "Immer lässt du überall dein Zeug rumliegen. Ich bin doch nicht deine Putzfrau!"
Er: "Stimmt. Wenn du meine Putzfrau wärst, wäre unsere Wohnung sauber."

Was hier noch schlagfertig und witzig klingt, ist in der Partnerschaft oft ein deutliches Zeichen, dass es bergab geht. Denn in seiner Aussage schwingt Verachtung mit.

Unter vielen anderen Variablen nahm John Gottmann, Eheforscher an der University of Washington, Verachtung in seine berühmte Gleichung auf, mit der er in der Lage ist, Scheidungsfälle und deren Zeitpunkt erstaunlich genau vorherzusagen. Und siehe da: Gegenseitige Verachtung erwies sich als der stärkste Prädiktor für eine misslungene Ehe!

In einer seiner Studien beobachtete Gottmann diskutierende Ehepaare 15 Minuten lang und verglich nach ein paar Jahren seine Beobachtung vom Auftreten negativer Emotionen während dieser Diskussionen mit der tatsächlichen Scheidungsrate. Registrierte er dabei bei einem Paar verachtende Kommentare und Verhaltensweisen, war die Scheidungsrate 2-3mal höher.

Höchste Zeit also, Verachtung durch Wertschätzung zu ersetzen. Wie? Durch Empathie, Perspektivenübernahme und das Senden von Ich-Botschaften. Beispiel, Er: "Ich verstehe, wenn dir der Saustall auf die Nerven geht. Wie wäre es, wenn wir eine Ecke einrichten, in der ich meine Sachen ablege, ohne dass du dich daran störst?"

Ebenfalls ratsam: Sarkasmus durch Humor ersetzen. Wie? Durch Witze, die gut ankommen, dabei aber niemandem schaden - oder höchstens auf Kosten nicht anwesender Dritter gehen. Denn Humor ist einer der stärksten Wirkfaktoren für den langfristigen Erhalt der Partnerschaft.

Schaffen Sie also eine positive und konstruktive Atmosphäre durch Wertschätzung und Humor - auch in "Streitgesprächen".



gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer
Quelle: Lermer, Stephan. Liebe und Lust. Mary Hahn Verlag

Freitag, 26. Februar 2010

Zauberwort "Wir"

Die Kommunikationsformen in der Partnerschaft sind ein entscheidender Faktor für Glück oder Unglück in der Beziehung. Besonders bei Konflikten zeigt die Wortwahl der Partner an, ob eine Lösung gefunden wird oder Dauerstreit vorprogrammiert ist.

Zentral ist dabei das Wörtchen 'Wir' in allen seinen Formen. Forscher der University of California in Berkeley fanden heraus: Je öfter beide Partner in Konfliktsituationen 'wir', 'uns', 'unser' benutzten, desto häufiger schafften sie es, ihre Konflikte schnell beizulegen. Zudem war das Stressniveau beider Partner, gemessen durch Selbstberichte und Hormonspiegel, bedeutend niedriger.

Das Forscherteam um Prof. Robert Levenson fand außerdem, dass Partner, die Ihre 'Individualität' betonten (also häufig Wörter wie 'Ich', 'du', 'mich' verwendeten), in ihrer Ehe oder Partnerschaft insgesamt unglücklicher waren.

Paare, die länger zusammen lebten, benutzten auch öfter Ausdrücke, die das Gemeinsame in der Beziehung betonen. Und sie waren im Durchschnitt auch glücklicher. Levenson und sein Kollege Benjamin Seidel vermuten, dass die gemeinsame Überwindung von Hindernissen und gemeinsam erlebtes Glück sowohl die Kommunikation, als auch das Wir-Gefühl verändern. Beide Faktoren wirken sich wiederum positiv auf die Beziehungsqualität aus.

Für kleine wie große Konflikte in der Beziehung ist die Botschaft eindeutig: Benutzen Sie wo es geht das Wort 'Wir', beziehen Sie Ihren Partner mit ein und machen Sie ihm/ihr klar, dass Sie eine Einheit sind. Das schweißt zusammen!


gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer
Quelle: UC Berkeley (2010). Couples who say 'we' do better at resolving conflicts. ScienceDaily. Retrieved February 17, 2010

Freitag, 29. Januar 2010

Um was streiten sich Paare am häufigsten?

Natürlich: Um das liebe Geld.
Das belegt eine Studie des Organisationspsychologen Prof. Dr. Erich Kirchler der Universität Wien. 40 Paare überzeugte er davon, 1 Jahr lang über ihr Privatleben Tagebuch zu führen, anonym und im Dienste der Wissenschaft. Nachdem er die umfangreichen Daten der Paare erhalten hatte, kategorisierte und zählte er die Themen, die regelmäßig Streit zwischen den Partnern auslösten. Eindeutiger Sieger waren Themen, die mit Geld zu tun hatten.

Meist wurde der Streit durch die Frage ausgelöst, wie viel Geld für welche Freizeitaktivitäten ausgegeben werden solle. Hier merkt man, dass die Kompatibilität der Partner bei der Freizeitgestaltung eine wichtige Rolle spielt. Wenn die Partner ähnliche oder gemeinsame Interessen in ihrer Freizeit verfolgen, gibt es kaum Beziehungststress. Schwierig wird es nur, wenn einer der Partner 'besondere' Hobbies hat, oder sich die Partner einfach nicht auf das Urlaubsziel einigen können. Oder wenn 'Sparfuchs' auf 'Verschwender' trifft: Da kann schon der Gang zum Supermarkt zum Stein des Anstoßes werden.

Warum aber streitet man so erbittert übers Geld? Professor Kirchler hat aus seinen Befunden eine einfache Lösung herausgelesen: Beim Geld weiß es einfach jeder besser! Männer wie Frauen sind überzeugt, dass sie besser mit Geld umgehen als der Partner und außerdem mehr darüber wissen. So muss man natürlich dem Partner mit durchschlagenden Argumenten seine Sicht der Dinge beibringen - was nicht zwangsläufig im Streit enden muss, es dennoch aber oft tut.

Akzeptanz für die Sichtweise des Partner zu erlangen ist beim Geld gar nicht so einfach, denn schließlich ist Geld wichtig - es bildet die Lebensgrundlage beider Partner. Dennoch ist vernünftige Akzeptanz lernbar. Oder zumindest vernünftiges, sprich konstruktives Streiten. Denn Streiten gehört zur Partnerschaft, genauso wie gegenseitiger Respekt und die anschließende Versöhnung.



gepostet i.A. von Dr.Stephan Lermer
Quelle: Kirchler, E. Liebe, Geld und Alltag. Göttingen: Hogrefe

Freitag, 18. Dezember 2009

Nützliches für die Feiertage - Wie Sie Streit vermeiden

Die harmonische Weihnachtszeit ist - genau wie die Urlaubszeit - leider auch die 'Haupt-Streit-Zeit' des Jahres. Die Gründe dafür liegen auf der Hand oder können, falls man noch welche braucht, in jedem beliebigen Ratgeber nachgelesen werden.

Offenbar geht es uns allen an Weihnachten ähnlich: Die Erwartungen an das harmonische Beisammensein sind entweder so hoch, dass wir zwangsweise von unseren Liebsten enttäuscht werden ("Jetzt nimm dir doch endlich mal mehr Zeit für mich und die Kinder!"). Oder die Erwartungen an eine besinnliche Weihnacht sind schon durch Streit im Vorfeld, Advents-Einkaufsstress oder die Schweinegrippe so gründlich versaut, dass wir mit Genuss den Miesmacher an Weihnachten spielen: "Hab ich dir doch gesagt, dass ihm die Geschenke nicht gefallen!", "Nur Probleme, es gibt nur Probleme mit deiner Mutter an Weihnachten, ich hab es doch gewusst! Wären wir bloß weggefahren!", "Toll, jetzt bin ich krank, ich kann es gar nicht genießen, alles ist elend!".

Jeder hat seine speziellen Erwartungen und Gefühle an Weihnachten. Logisch, dass diese nie 100%ig kompatibel sein können. Der einzige Fehler ist nun eigentlich, diese Erwartungen und Gefühle nicht zu kommunizieren. Sprechen Sie also deutlich und am besten schon im Vorfeld aus, was Sie an Weihnachten wollen. Reden Sie gemeinsam und konstruktiv mit Ihrem Partner darüber, wie sich Ihre eigenen Interessen am besten vereinbaren lassen.

Gehen Sie Kompromisse schon im Vorfeld ein. Nehmen Sie ruhig Rücksicht auf die Wünsche Ihrer Lieben. Wenn Sie schon vorher wissen, dass sich Ihr Partner am 1. Feiertag gerne ein wenig Zeit für sich allein nehmen will, können Sie sich darauf einstellen und sind nicht enttäuscht, wenn Sie plötzlich mit sich oder den Kindern allein gelassen worden sind. Vergessen Sie dabei aber bitte nicht, Ihre eigenen Wünsche zu äußern.

Seien Sie sich bewusst, dass Freude und Harmonie weder ein 'Muss' ist, noch plötzlich an Heiligabend vom Himmel fällt. Warten Sie also zum einen nicht darauf, dass an Weihnachten zwischenmenschliche Wunder geschehen, sondern bereiten Sie die Harmonie vor. Wie? Indem Sie schon vor dem Fest Liebe, Dankbarkeit und Glück vermitteln. Planen Sie zum anderen aber auch nicht die Feiertage von Anfang bis Ende durch. Harmonie entsteht eben nicht auf Knopfdruck zum festgesetzten Termin und Besinnlichkeit kennt keine Optimalitätskriterien, die man zur Grundlage von Berechnungen machen könnte.

Der wahrscheinlich beste Tip für die Partnerschaft lautet aber, sich Zeiten der Ruhe und Zweisamkeit zu reservieren. Spaziergänge zum Beispiel, auf denen gar nicht viel gesprochen weden muss, sondern einfach nur das Gefühl der Stille und der Nähe des Partners da ist. Oder gemeinsam lesen neben dem Christbaum (sicher bekommen Sie auch mindestens ein Buch mehr, als Sie lesen können). Dabei kann man sich aneinanderkuscheln, vielleicht gemeinsam unter einer großen und warmen Decke, ab und zu dem Partner etwas erzählen...

Das Team des Instituts für Persönlichkeit und Kommunikation wünscht Ihnen ein glückliches Weihnachtsfest und eine besinnliche 'staade Zeit' - ganz nach Ihren geteilten Vorstellungen.


gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Freitag, 20. November 2009

Die Kunst des positiven Streitens

Schwelende Spannung macht auf Dauer krank - Meinungsverschiedenheiten und Streits aber offen und konstruktiv miteinander auszutragen ist regelrecht gesund: Streitfähige Paare sind körperlich und psychisch nachweislich gesünder als andere.

In einer Studie ließen Forscher der Ohio State University hundert verheiratete Paare eine halbe Stunde diskutieren: Über Alltagsthemen wie Geld, Freizeit oder Verwandte. Die vorher und nachher abgenommenen Blutproben zeigten, dass das Immunsystem bei solchen Partnern schwächer wurde, die zurückweisend, ablehnend, scheußlich oder sarkastisch, also insgesamt negativ miteinander umgingen.

Der Streit wurde demnach regelrecht als Stress empfunden und schwächte das Immunsystem, was stets zur Folge hat, dass sich das Krankheitsrisiko erhöht.

Es geht nicht darum, Streit zu vermeiden, sondern darum, ihn fair miteinander auszutragen. Das bedeutet, den Partner nicht zu verletzen, und ihm keine Dinge vorzuwerfen, die nicht veränderbar sind und wo er chancenlos ist.

Gleichzeitig gilt es zu vermeiden, die eigene Verantwortung dem Partner zuzuschieben. Sich also zu lösen von Formulierungen wie: "nur weil du...(so bist, so sprichst, dich so verhalten hast), mache ich..." oder "du zwingst mich ja regelrecht dazu..." oder "du lässt mir ja keine andere Wahl." Das Ziel muss vielmehr sein, die Verantwortung für sämtliche Entscheidungen, Äußerungen und Handlungen selbst zu übernehmen.

Ebenso destruktiv wirkt es, wenn man beim Partner Schuldgefühle erzeugt: "Das hätte ich aber nicht gedacht von dir!" oder "Ich bin enttäuscht von dir." oder "Warum tust du mir sowas an?" oder "Was habe ich dir getan, dass du so gemein zu mir bist?"

Will man nun proaktiv kommunizieren, gilt es zu erkennen, dass es immer zwei braucht für eine Interaktion. Schließlich kann man nur dann streiten, wenn beide mitmachen. Eigentlich genauso, wie wenn man sich die Hand gibt, als Symbol der Kontaktaufnahme - oder der Versöhnung ...



gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer
Quelle: Lermer, Stephan. Liebe und Lust. Mary Hahn Verlag

Freitag, 2. Oktober 2009

Die 10 Todsünden der Partnerschaft - und wie Sie sie vermeiden können

Jede auch noch so gute Partnerschaft leidet zuweilen unter dem Fehlverhalten der Partner. Was man auf jeden Fall vermeiden sollte und wie man es vermeiden kann, das zeigen wir in unserer kleinen Serie "Todsünden der Partnerschaft" jeweils freitags, zum Start ins Wochenende. Da ist Zeit, wieder einmal nachzudenken, was wir vielleicht besser machen könnten - und unserem Partner damit eine Freude.


7. Schuldzuweisung: "Nur weil Du..., ist mir das passiert!" "Ich komme nur mit dem Geld nicht aus, weil Du mir zu wenig gibst!" "Nur weil Du mich so genervt hast, habe ich die Sache verpatzt!"

Lösung: Wem es gelingt, in einer Beziehung (Partnerschaft, Mitarbeiter, Kinder etc.) die Formel "Nur weil Du/Sie..." zu vermeiden, hat schon gewonnen. Und zwar auf eine Weise, dass beide gewinnen. Anstatt Schuld beim anderen zu suchen, lieber die Selbstverantwortung übernehmen und so handeln, wie man es sich vom Partner wünscht.


8. Sie meint, sexuell sei sie Besseres, längere, größere Erlebnisse von früher gewohnt: "Ist das alles? Also wenn ich da an ... zurückdenke, das war schon was anderes. Der konnte eine Frau befriedigen!"

Lösung: Selbstverständlich sind Vergleiche mit früheren Beziehungen in einer reifen Partnerschaft tabu. Egal, was früher war. Jetzt zählt, was ist. Natürlich ist es anders. Und wenn es früher so viel passender gewesen wäre, hätte man sich auch nicht getrennt. Also das Beste aus dem Bestehenden machen.


9. Killerphrasen: "Was, Du? Du? Du glaubst doch nicht etwa, dass Du damit Erfolg hast!" , "Wenn das so gut wäre, hätte man das sicher längst erfunden." "Meinst du, der/die wartet gerade auf dich?", "Du hoffst doch nicht etwa, dass du damit ankommst?"

Lösung: Ein guter Freund macht mut, gibt Anregungen und weckt schlummernde Reserven in einem. Dem Partner ein guter Freund sein heißt, ihn zu höheren Leistungen anstacheln und ihm das Vertrauen geben, dass man an ihn glaubt.


10. Solidaritätsbruch: Sich in konkreten Entscheidungen gegenteilig zum Partner verhalten: In puncto Geldausgeben, Erziehung der Kinder, Umgang mit Bekannten, Wahl der Freunde, Pflege der Nachbarschaftskontakte, Erzählen von Intimitäten, Preisgabe von diskreten Informationen, Verrat...

Lösung: Eine Beziehung erfordert Vertrauen, Loyalität und Solidarität. Kritisieren kann man den Partner unter vier Augen oder im allerengsten Freundeskreis. Ansonsten als Team auftreten, sprechen, handeln. Das stärkt. Die Beziehung, den Partner und einen selbst.



gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Freitag, 25. September 2009

Die 10 Todsünden der Partnerschaft -. und wie Sie sie vermeiden

Jede auch noch so gute Partnerschaft leidet zuweilen unter dem Fehlverhalten der Partner. Was man auf jeden Fall vermeiden sollte und wie man es vermeiden kann, das zeigen wir in unserer kleinen Serie "Todsünden der Partnerschaft" jeweils freitags, zum Start ins Wochenende. Da ist Zeit, wieder einmal nachzudenken, was wir vielleicht besser machen könnten - und unserem Partner damit eine Freude.

4. Er/sie kommt nach Hause, sie/er empfängt ihn/sie als erstes mit Vorwürfen: "Da bist du ja endlich!" "Warum kommst du erst jetzt?" "Wird auch Zeit, dass du kommst!"...

Lösung: "Schön, dass du da bist, jetzt komm erst mal rein und entspann dich" - ein Satz, der einem die ganze Zeit unterwegs im Stau oder in der Hektik des Nachhausekommens gefehlt hat. Keiner will beim Nachhausekommen mit Vorwürfen empfangen werden, sondern mit Freude darüber, dass man endlich da ist. Und man erwartet insgeheim etwas "Wundengelecktbekommen" und Belohnung für die Mühen des Tages.

5. Sie macht seine Mutter schlecht: "Hör mir bloß mit deiner Mutter auf, die ist ja viel zu alt und blickt überhaupt nicht durch. Die hat ja nur wieder Angst um ihr Söhnchen. Und diese Eifersucht auf mich!"

Lösung: Seine Mutter ist ihm heilig. Schließlich war sie in der Kindheit seine erste große Liebe, - und er sieht sich nach wie vor als ihr Beschützer., Retter, als von ihr bedingungslos geliebter Prinz. Eine kluge Frau respektiert diese besondere Beziehung - solange es in Grenzen bleibt.

6. Er wirft ihr vor, sie sei bereits wie ihre Mutter: "Jetzt bist du schon genau wie deine Mutter. Wenn du dich jetzt hören könntest: dieses Gekeife, allein schon der Tonfall. Sicher wirst du langsam genauso kleinkariert und spießig wie die!"

Lösung: "Bloß nicht so wie die Mutter werden" ist ein Programm, womit die meisten jungen Frauen ihre Identitätsfindung beginnen. Der kluge Mann ignoriert Ähnlichkeiten und betont die Besonderheiten seiner Frau, auf die sie stolz sein darf.



wird nächsten Freitag fortgesetzt!

gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer
Quelle: Lermer, Stephan. Lust und Liebe. Mary Hahn Verlag

Donnerstag, 13. August 2009

Die größten Stress-Nester

Passend zum gestrigen Thema Burnout heute eine aktuelle Studie des Forsa-Instituts. Die Demographen fragten über tausend Deutsche, bei welchen Gelegenheiten sie am häufigsten Stress empfinden. Das Ergebnis bestätigt die aktuelle Stressforschung, bedarf allerdings einiger kritischer Kommentare:

Der mit Abstand größte Stress-Faktor bleibt also der Job. Völlig verständlich, denn unsere 'althergebrachten' evolutionären Stressverarbeitungsstrategien passen einfach nicht zu den ständig zunehmenden Anforderungen unserer Dienstleistungsgesellschaft. Es ist deshalb die Aufgabe jedes Einzelnen, stresskompetent zu werden für die täglichen Stressoren im Beruf.

A propos tägliche Stressoren: Hausarbeit und 'Fahrten zur Hauptverkehrszeit' gehören ganz klar in diese Kategorie. Gerade hier kann man mit Entspannungstechniken und vor allem einem effizienteren Zeitmanagement viel verändern. Dabei gilt es vor allem, sich von unnützem 'Ballast' zu befreien: Muss man jeden Tag zur Arbeit fahren oder kann man teilweise auf Teleworking umsteigen? Sollte man sich eventuell einen Job mit flexibleren Arbeitszeiten suchen, der mehr Chancen bietet, die freie Zeit zu gestalten? Und die Wohnung mal wieder gründlich entrümpeln?

Finanzielle Sorgen und die Pflege von Angehörigen sind ernsthafte Stressoren, die sich nicht einfach bagatellisieren oder abschieben lassen. Also bitte keine Scheu, Hilfe von Dritten anzunehmen, die Verantwortung zu teilen und die belastenden Probleme mit nahe stehenden Personen zu besprechen! Kindererziehung dagegen wird in seiner Stress-Rolle häufig überschätzt. Denn obwohl gehänselte Kindergartenkinder oder sich prügelnde Teenager, die gelegentlich ungeschützten Geschlechtsverkehr haben, akute und schwer wiegende Stressoren sein können - Kinder und deren Erziehung wirken in den meisten Fällen und auf lange Sicht protektiv. Das bedeutet, dass Kindererziehung, genau wie eine feste Partnerschaft, langfristig das Stressniveau senkt und das Lebensglück erhöht.

Zuletzt zu den Konflikten: Sicher gibt es ernste Konflikte, die kommunikativ aufgelöst werden müssen. Aber oft genug regen wir uns über Banalitäten auf. Es gilt deshalb zu allererst, diese banalen Streitverursacher zu identifizieren. Fragen Sie sich einmal eine Zeit lang nach jedem Streit - im Job oder privat - ob der Ausgang des Konflikts entscheidend für Ihr weiteres Leben war. Für manche Konflikte mag das zutreffen, für die meisten nicht. Seien Sie in diesen Situationen einfach beim nächsten Mal diplomatischer und versuchen Sie immer ziemlich zeitnah und rasch, einen Kompromiss zu finden, der beide Seiten zufrieden stellt.


gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Dienstag, 14. Juli 2009

Tausche Eheglück gegen Familienglück?

Oft wird ein Kind als Vervollständigung einer Beziehung oder als Krönung der Liebe gesehen. Mit dem Kind erhoffen sich viele Paare eine Neuerung und eine Veränderung. Es beginnt ein neuer Abschnitt im Leben - die eigene Familie. Diese Idealvorstellung von der Krönung der Liebe ist sehr angenehm, doch entspricht sie auch der Realität?

US-Forscher haben nun herausgefunden, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Das erste Kind führe nicht nur nicht zu einer Erhöhung des Eheglücks, sondern es belaste es sogar!

Die Studie der Psychologen Brian Doss der University of Texas und Scott Stanley und Kollegen der University of Denver zeigte: Kinder können zu vermehrten Problemen und Stress in der Beziehung führen. Der achtjährigen Langzeitstudie mit 218 Paaren nach erlebten 90% der Paare eine deutliche Verschlechterung der Ehezufriedenheit nach der Geburt des ersten Kindes.

Allerdings gaben die Forscher zu bedenken, dass sich auch bei Paaren ohne Kinder die Qualität der Ehe mit der Zeit vermindere. Dennoch beschleunige ein Kind diese Verschlechterung, und zwar insbesondere in Bezug auf die Phase der Anpassung kurz nach der Geburt, so Stanley.

Die Studie zeigte auch, dass Paare, die vor der Heirat bereits zusammenlebten, mehr Probleme nach der Geburt des Kindes hatten, als Paare, die vor der Ehe nicht zusammen lebten. Dies galt auch für die Teilnehmer, deren Eltern geschieden waren oder sich in der Scheidung befanden.

Wichtig dabei: Die Ergebnisse trafen nicht auf alle Paare ohne Einschränkung zu. Es gab auch Paare, die von einer Verbesserung und einer Stärkung der Beziehung nach der Geburt ihres ersten Kindes berichteten!

Es scheint, als hatten die Paare, die schon länger verheiratet waren und ein höheres Einkommen hatten, klare Vorteile und weniger Probleme als solche mit einem geringeren Einkommen und einer kürzeren Ehe.

Stanley warnte jedoch vor der Schlussfolgerung, dass die gesamte Lebensfreude durch Kinder beeinträchtigt wäre. "Es gibt verschiedene Arten von Glück", so Stanley, "und selbst wenn ein Teil des Glanzes des Eheglücks verschwinden mag, ergibt sich eine ganz neue Dimension des Familienglücks und der Zufriedenheit, basierend auf der Familie." Diese neue Art von Glück sei kraftvoll und positiv, aber nicht Teil dieser Studie gewesen.


gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Quelle:
Duss, B.D., Rhoades, G.K., Stanley, S.M.,Markman, H.J.(2009):The effect of the transition to parenthood on relationship quality: an 8-year prospective study. Journal of Personality and Social Psychology, 96 (3): pp. 601-619

Freitag, 19. Juni 2009

Schlaf und Streit - Ein Teufelskreis

SLEEP 2009, die diesjährige Konferenz der Professional Sleep Societies brachte wieder einige aufweckende Erkenntnisse.

Ein Fokus der Konferenz lag auf dem Thema 'Schlaf und Partnerschaft'. In einer derzeit noch laufenden Studienserie von Brant Hasler (University of Arizona) wird die Verbindung von Schlaf- und Beziehungsqualität untersucht. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass es bei Frauen und Männern Unterschiede gibt.

In seiner Untersuchung sollten Paare über einen Zeitraum von 7 Tagen über Ihre Schlaf- und Beziehungsqualität Buch führen. So kann man identifizieren, ob schlechter Schlaf ursächlich für Konflikte ist oder umgekehrt.

Bei Männern führt besserer Schlaf nun zu einer positiveren Einschätzung der Beziehungsqualität am nächsten Tag.
Frauen hingegen sahen die Sache anders: Streit und Konflikt untertags führten dazu, dass sie schlechter schliefen. Zudem schätzten sie auch den Schlaf des Partners schlechter ein.


Vor Abschluss der Studien darf noch über die Ursachen der unterschiedlichen Einschätzungen diskutiert werden. Männer sind vielleicht viel eher reizbar, wenn sie schlecht geschlafen haben. Frauen nehmen die Probleme des Tages vielleicht eher 'mit ins Bett'. Eines ist jedoch jetzt schon klar: Es existiert ein Teufelskreis aus schlechtem Schlaf und Beziehungsproblemen.

Wie kommt man dem bei? Hasler behauptet, dass es zunächst egal sei, ob man bei der Schlaf- oder bei der Partnerschaftsqualität ansetzt, denn beide bedingen sich gegenseitig. Er empfiehlt aber, beide Faktoren zu berücksichtigen: "Paare sollten ihre Streitereien zumindest teilweise lösen oder ganz beilegen, bevor sie zu Bett gehen.* Und sie sollten Konfrontationen an Tagen vermeiden, an denen einer von beiden zuvor schlecht geschlafen hat."

Ein einfaches Mittel, um Eskalation zu vermeiden, ist deshalb: Zu Erkennen, wenn der Partner 'mit dem falschen Fuß aufgestanden' ist. Oft machen wir das intuitiv richtig und vertagen Diskussionen mit solchen Sätzen wie 'komm, lass uns morgen in Ruhe darüber reden' - unter besseren Voraussetzungen eben.

Wir verfolgen mit großer Spannung die laufenden Studien dazu im Sleep Research Lab der University of Arizona.


*Eigentlich wie Großmutter früher empfohlen hat: "versöhnt euch, bevor ihr schlafen geht"



gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Quelle: Hasler, B. (2009). Sleep Disturbance and Daily Relationship Quality in Couples: Evidence for Bidirectional Associations

Mittwoch, 10. Juni 2009

Psychologische Begriffe: "Metakommunikation" - Gespräche optimieren

Metakommunikation bedeutet 'Kommunikation über Kommunikation'. Die Gesprächspartner wechseln dabei in einer Debatte die Perspektive und sehen sich ihre Kommunikationssituation 'von oben' an.

Ein einfaches Beispiel: "Ich ärgere mich darübert, dass du mich die ganze Zeit unterbrichst. Wie sollen wir so vernünftig diskutieren?" Man steigt also aktiv aus der Diskussion aus und zwingt den Gesprächspartner, zusammen kurz über den Gesprächsprozess zu reflektieren. Metakommunikation ist damit eine selbst vorgenommene Analyse der Kommunikationssituation mit dem Ziel, Kommunikationsprobleme zu verdeutlichen, deren Ursachen zu ergründen und sie zu lösen.

Ein anderes Beispiel. Meeting: "Momentan verläuft die Diskussion nur zwischen uns beiden. Möchten die anderen Teilnehmer auch etwas beitragen? Finden Sie das Gespräch zielführend, langweilen Sie sich oder sind Sie ganz anderer Meinung?" Nun sind die anderen Teilnehmer aufgefordert, sich zum Verlauf der Diskussion zu äußern. Ziel ist, alle wieder in die Diskussion einzubinden.

Und nun betreiben wir einmal 'präventive Metakommunkation': Wie sollte man allgemein Kommunikationssituationen strukturieren, damit sie effizient und effektiv verlaufen? Aus der Forschung zur Metakommunikation lassen sich einige einfache Handlungsempfehlungen ableiten, die im Vorfeld jeder Diskussion geklärt werden können:
  • Einander zuhören und ausreden lassen
  • Aktiv zuhören: Nachfragen, Verständnis signalisieren, Paraphrasieren.
  • Sich gegenseitig zu verstehen geben, wie das Gespräch empfunden wird.
  • Thematisch am gerade Gesagten anknüpfen
  • Beschimpfungen und Sarkasmus vermeiden
  • "Ich-Botschaften" statt "Du-Botschaften" senden
  • Den anderen die Chance geben, die eigene Position besser zu verstehen
Angewandte Forschung hat gezeigt, dass sich Gesprächsrunden sehr rasch optimieren lassen, wenn man diese Punkte vorab klärt und sich nach den Gesprächen kurz darüber austauscht, ob sie eingehalten worden sind. Zusätzlich kann man die Effizienz von Gruppendiskussionen um ein Vielfaches steigern, wenn man einen Moderator bestimmt, der während der Diskussion die Einhaltung der Kommunikationsregeln überprüft und bei Verletzungen regulierend eingreift.



gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Freitag, 15. Mai 2009

Beziehungssprengstoff - Wie Männer richtig auf die falschen Fragen reagieren können

"Schatz -bin ich dick?" Tja, was sagt man darauf? Wenn die Partnerin solche und ähnliche Sachen fragt, stehen die Männer oft ganz schön dumm dar. Denn die Wahrheit ist bei vielen Fragen nicht immer die beste Antwort. Jeweils zum Wochenende erklärt Dr. Stephan Lermer die größten Sprengstofffragen der Damen - und die besten möglichen Antworten der Herren. In Kooperation mit ZDF - Hallo Deutschland"


Teil 1: "Schatz, was soll ich anziehen? Ich passe ja in gar nichts mehr rein!!!"

Antwort: Bitte Video starten.








gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Freitag, 8. Mai 2009

Beziehungssprengstoff - Wie Männer richtig auf die falschen Fragen reagieren können

"Schatz -bin ich dick?" Tja, was sagt man darauf? Wenn die Partnerin solche und ähnliche Sachen fragt, stehen die Männer oft ganz schön dumm dar. Denn die Wahrheit ist bei vielen Fragen nicht immer die beste Antwort. Jeweils zum Wochenende erklärt Dr. Stephan Lermer die größten Sprengstofffragen der Damen - und die besten möglichen Antworten der Herren. In Kooperation mit ZDF - Hallo Deutschland"


Teil 1: "Schatz, findest du mich eigentlich zu dick?"

Antwort: Bitte auf Video klicken.

Dienstag, 7. April 2009

Reden hilft

Seit Wochen schon kriselt es. Die Ausprache gestern war eine Farce. Es war falsch, was er behauptet hat. Es war demütigend, verletzend und vor allem falsch. Den ganzen Tag schon plagen Sie Gefühle von Ärger und Enttäuschung.

Beim Mittagessen treffen Sie einen Bekannten. Während des Gesprächs denken Sie an die misslungene Aussprache. Sie sind unkonzentriert. Als Ihr Gesprächspartner es merkt und fragt, was los sei, erzählen Sie es ihm. Er hört gut zu und fragt geschickt und unaufdringlich nach. Nach und nach fühlen Sie sich besser. Sie merken, wie Ihr Ärger und Ihre Enttäuschung nachlassen. Sie beschließen, das Thema noch einmal anzusprechen und eine Lösung zu finden.


Sich den Frust von der Seele zu reden hilft wirklich. Ein Freund, ein Therapeut oder ein Bekannter, der bereit ist, Informationen vertraulich zu behandeln - sie alle können mehr oder weniger helfen, negative Gefühle besser zu verarbeiten und Probleme lösungsorientiert anzugehen oder in einem neuen Licht zu sehen.

Die Hirnforschung bestätigt diese uralte Weisheit jetzt mit Hilfe neurophysiologischer Belege. Forscher der University of California entdeckten Gehirnareale, die für die Emotionsregulation während Gesprächen über negative Sachverhalte verantwortlich sind. Ihre Probanden sahen Bilder von traurigen oder verärgerten Menschen, während ihre Gehirne mittels funktioneller Magnetresonanztomografie untersucht wurden.


Die Probanden hatten zunächst die Aufgabe, den Personen, die sie sahen, Namen zu geben. Anschließend sollten sie die Gefühle der Menschen beschreiben. Im Vergleich zu einer Versuchspersonengruppe, die die Bilder einfach nur beschreiben sollten, war bei den Probanden, die den Bildern Namen gaben, die Amygdala aktiver - eine Gehirnregion, die für das Erkennen von negativen Emotionen und die Reaktion darauf zuständig ist. Sie gaben auch an, stärker emotional von den Bildern betroffen zu sein.


Während der anschließenden Beschreibung der Gefühle der Personen auf den Bildern ging die Amygdala-Aktivität allerdings deutlich zurück - sogar unter das Ausgangsniveau der Gruppe, die die Bilder einfach nur beschreiben sollte und damit keinen persönlichen emotionalen Bezug dazu hatte. Zugleich zeigte der ventrolaterale präfrontale Cortex (VLPC) bei der Beschreibung der Gefühle stärkere Aktivierung.


Der VLPC ist an der Impulskontrolle beteiligt und könnte helfen, starke emotionale Reaktionen zu unterdrücken. Dies könnte wiederum zur Folge haben, dass wir uns beruhigen, Abstand gewinnen und so wieder klar und lösungsorientiert denken können.

In den nächsten Jahren wird die Hirnfoschung weitere grundlegende Erkenntnisse über die Wirkungsweise heilender Gespräche zu Tage fördern. Sicher ist: Über Probleme, Ärger und Enttäuschungen bewusst zu sprechen trägt enorm zu deren Bewältigung bei.

gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Quelle: Lieberman, M. et al. (2007). Putting feelings into words: Affect labeling disrupts amygdala activity in response to affective stimuli. Psychological Science, 18, pp. 421-428

Montag, 23. Februar 2009

Mann-Frau-Beziehung: Meinungsverschiedenheit contra Streit

(Dr. Stephan Lermer im BR: Radiointerview-09/2008)

Donnerstag, 19. Februar 2009

„Recht haben oder glücklich sein?“

Interview mit Dr. Stephan Lermer im Münchner Merkur vom
07./08.10.2006



„Mach die Zahnpastatube richtig zu!“
„Du
verstehst mich nicht!“ „Typisch Mann!“
„Musst du denn so viel Fernsehen!“ – Im
Laufe einer Beziehung sammeln sich viele
Vorwürfe und Missverständnisse an. Wie
man aus Krisen wieder heraus findet und
wie sie sich vermeiden lassen- darüber
sprachen wir mit dem Diplom-
Psychologen Dr. Stephan Lermer.
Wäre es nicht schlauer, sich gar
nicht erst auf eine Partnerschaft
einzulassen? Man hätte weniger
Probleme.
Dr. Lermer: Wenn wir rein rationale
Wesen wären und wie Buchhalter
vorgehen würden, dann müssten wir nach
einigen gescheiterten Beziehungen sagen,
es ist das falsche Konzept, lassen wir´s.
Aber?
Dr. Lermer: Die Menschen leben von der
Hoffnung. Außerdem haben wir die Gnade
der positiven Erinnerung. Im Rückblick
löschen wir das Negative häufiger als das
Positive. Durch das Scheitern sind wir ja
auch gereift und beziehungsfähiger. Die
Forschung sagt, dass die zweiten Ehen
meist besser funktionieren.
Es klappt aber selten genau so, wie
wir´s uns vorstellen.
Dr. Lermer: Warum überhaupt mit großen
Erwartungen an eine Beziehung
rangehen? Lassen Sie uns Partnerschaft
wie eine Reise betrachten. Wenn wir in
den Urlaub fahren, haben wir zwar eine
gewisse Erwartung, sind aber flexibel, uns
anzupassen, wenn etwa das Wetter
schlecht ist. Auch in der Liebe, deren
Entwicklung unvorhersehbar ist, ist
Improvisationstalent gefragt.
Wann sollen die Alarmglocken
läuten?
Dr. Lermer: Wenn einer von beiden häufig
die Augen nach oben rollt, während der
andere spricht. Dann ist die Scheidung oft
nicht weit. Dieses Verhalten signalisiert,
dass der Respekt verloren gegangen ist.
Dass sich tiefe Missverständnisse in die
Beziehung eingegraben haben.
Wie vermeidet man die?
Dr. Lermer: Immer im Gespräch bleiben.
Es ist egal, was Sie sagen, entscheidend
ist, wie der andere es versteht. Das kann
man etwa feststellen, indem man nach
einem Kinobesuch miteinander über den
Film spricht. Beide haben dasselbe
gesehen, dasselbe gehört und doch hat
jeder seine eigene Wahrnehmung gehabt.
Jeder ist ein Exot. Wer das weiß, wird
nicht mehr darauf bestehen, dass der
andere es falsch sieht, sondern dessen
Position akzeptieren.
Bei allem Verständnis, so ganz
ohne Streit geht es in den
seltensten Fällen.
Dr. Lermer: Das sollte es auch nicht. Wer
streitet, zeigt, dass er Interesse hat. Wenn
der andere mir egal ist, dann streite ich
nicht mehr mit ihm.
Wer sich also für die Liebe
entscheidet ……
Dr. Lermer: ….der entscheidet sich
zwischen zwei Möglichkeiten: Will er Recht
haben oder glücklich sein? Viele werden
feststellen, dass sie mit dem Recht haben
wollen schon viel Zeit vergeudet haben –
die man für die Liebe hätte nutzen können.
Das Interview führte Sylvie-Sophie
Schindler