Freitag, 29. Mai 2009

Beziehungssprengstoff - Wie Männer richtig auf die falschen Fragen reagieren können

"Schatz -bin ich dick?" Tja, was sagt man darauf? Wenn die Partnerin solche und ähnliche Sachen fragt, stehen die Männer oft ganz schön dumm da. Denn die Wahrheit ist bei vielen Fragen nicht immer die beste Antwort. Jeweils zum Wochenende erklärt Dr. Stephan Lermer die größten Sprengstofffragen der Damen - und die besten möglichen Antworten der Herren. In Kooperation mit ZDF - Hallo Deutschland"


Teil 4: Zusammenfassung: Kleine Antwortstrategien mit großer positiver Wirkung

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gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Donnerstag, 28. Mai 2009

"Der Mensch trägt eine Sehnsucht in sich, das Leben beeinflussen zu können" - Die Papierkugel Gottes

Interview mit Dr. Stephan Lermer, Financial Times Deutschland




Es ist nur eine simple Papierkugel, wie sie so oft von Fußball-Fans in Richtung Rasen fliegt. Normalerweise sind die zusammengeknüllten Fetzen keine Erwähnung wert. Doch diese Papierkugel spielte ein bisschen Schicksal.

Die Kugel aus Papier löste besonders im Internet ein wahres Feuerwerk an Reaktionen und lustigen Angeboten auf Ebay aus - und Anhänger von Werder Bremen und dem Hamburger SV werden vielleicht noch in Jahren über sie sprechen.

Im UEFA-Cup-Halbfinale zwischen den beiden Nordrivalen HSV und Werder ließ die etwa faustgroße Kugel den Ball holpern, führte zur Ecke und leitete so das entscheidende Tor für Werder ein. Das Original wird bis 23.00 Uhr am 20. Mai, dem Abend des Endspiels zwischen Werder Bremen und Schachtjor Donezk, für einen guten Zweck versteigert.


Doch wieso provoziert ein einfaches Stück Papier, im Netz inzwischen auch als die «Papierkugel Gottes» bekannt, so viele Trittbrettfahrer? Wieso sorgt sie für so viel Gesprächsstoff?

Der Münchner Diplom-Psychologe Stephan Lermer sagt der Deutschen Presse-Agentur dpa, der Wirbel um die Kugel zeige, dass in den Menschen etwas lodere und sie unerfüllte Wünsche haben. «Der Mensch trägt eine Sehnsucht in sich, das Leben beeinflussen zu können.» Normalerweise könne er aber weder auf sein Leben noch auf ein Fußballspiel Einfluss nehmen. «Wenn jetzt Zufälle ein Schicksal auslösen, klinken sich die Menschen ein. Wenn plötzlich ein Zuschauer aus der Masse ein Tor mit auslösen kann, ist eine Sehnsucht erfüllt - wir können etwas bewegen.»

Zudem seien viele Geschehnisse in der Regel nicht zu erklären, die Papierkugel biete dagegen eine Erklärung, sagt Lermer. Von manchen HSV-Fans erhielt sie so die Rolle des Sündenbocks, einige Werder- Anhänger verehren sie dagegen als Kultobjekt. So stellen die Grün- Weißen auf der Internetseite WikiWorum - in Anlehnung an das Online- Lexikon Wikipedia - die Papierkugel als einen deutschen Fußballspieler vor, der zum Europapokal-Helden aufstieg. Beim Internet-Kurznachrichtendient Twitter hat die «Papierkugel» mehr als 370 Anhänger, beim Netzwerk Facebook gründete sich eine Fan-Gruppe.

Mit witzigen Sprüchen kommentieren Internetnutzer Videos der irren Szene auf der Plattform YouTube: «Das Papier stand doch im Abseits», schreibt ein Fußball-Fan. Und ein anderer scherzt: «Warum hat die Papierkugel eigentlich keine Gelbe Karte bekommen? Ach ne, sie hat ja nur den Ball gespielt.»

Zwölf Tage nach dem Halbfinale laufen beim Internet-Auktionshaus Ebay mehr als 30 Versteigerungen rund um das Corpus Delicti. Darunter sind Nachbildungen, die in den Vereinsfarben grün-weiß oder blau-weiß umhäkelt sind, grüne T-Shirts mit der Aufschrift «Mein Freund ist eine Papierkugel» oder Buttons mit «I love Papierkugeln» sowie «Die Papierkugel war schuld».

«Das ist eine kreative Leistung», erklärt Lermer, der das Münchner Institut für Persönlichkeit und Kommunikation leitet. Wenn einer eine freche Geste wage, gebe es immer Trittbrettfahrer. «Wenn man mit nichts Geld machen kann, macht es immer Spaß. Das ist aber mehr ein Gag, den man abends erzählen kann», sagt der Psychologe.

Die Trittbrettfahrer-Auktionen laufen ohne Erfolg. Mehr als 2400 Euro betrug Höchstgebot für das Original hingegen bereits am 19. Mai, das bei Ebay vom Fernsehsender Sat.1, der Zeitschrift «Sport-Bild» und dem Bundesligisten Werder Bremen zugunsten des Kinderhospizes Löwenherz in Syke bei Bremen versteigert wird. Bei Sat.1 heißt es, für eine simple Papierkugel sei die Summe «Wahnsinn».


Quelle: dpa, 19.05.2009 / © 2009 Financial Times Deutschland, © Illustration: dpa


Mittwoch, 27. Mai 2009

Psychologische Begriffe: Reaktanz

Lesen Sie jetzt bitte nicht weiter. Sie werden manipuliert.

Schon geschehen.


Wir haben es Ihnen ja gesagt... Falls Sie sich jetzt auch nur leicht verärgert fühlen, bitten wir Sie um Entschuldigung. Selbstverständlich haben Sie - nur Sie allein! - die Freiheit, diesen Beitrag zu lesen oder es zu unterlassen.


Mit dem ersten Satz sollten wir in Ihnen 'Reaktanz' ausgelöst haben, wenn auch nur zu einem geringen Grad. Sie hatten sich soeben die Freiheit genommen, den Beitrag zu lesen und nun schränkt Sie jemand von vorneherein in dieser Freiheit ein, indem er Sie darauf hinweist, das doch bitte bleiben zu lassen. Die logische Folge: Sie werden noch motivierter sein, den Beitrag zu lesen, weil ES DOCH IHRE ENTSCHEIDUNG IST, UND SIE JETZT MACHEN, WAS SIE WOLLEN!!!

Nun ja.... Bereits 1966 formulierte Jack W. Brehm seine 'Reaktanztheorie', die eine der einflussreichsten Theorien der Sozialpsychologie werden sollte und bis heute Ihren Geltungsbereich, zum Beispiel in der Markt- und Werbepsychologie oder der Verkaufspsychologie hat.

Die Grundaussage der Theorie ist ganz einfach:
'Der Mensch ist motiviert, seine Freiheit zu erhalten.'

Wird diese Freiheit bedroht oder genommen entsteht Reaktanzmotivation - eben der Drang zur Freiheitswiederherstellung. Die Reaktanzfolgen können vielfältig sein:


In beinahe allen Fällen wird zum Beispiel die verbotene Tätigkeit oder Alternative attraktiver. Ein schönes Beispiel ist der sogenannte "Romeo-und-Julia-Effekt": Die Intervention der Eltern ('Was willst du denn mit DEM?') macht den Geliebten nur noch attraktiver (Der Reiz des Verbotenen).


Eine weitere Reaktanzfolge ist unmittelbare direkte oder indirekte Freiheitswiederherstellung. Direkte Freiheitswiederherstellung haben Sie gerade betrieben, indem Sie den Artikel trotz oder gerade wegen unserer Bitte weiter gelesen haben. Bereits im Kindergartenalter kann man direkte Freiheitswiederherstellung beobachten, wenn plötzlich aus einem Set von verschiedenfarbigen Autos das gelbe Fahrzeug an Attraktivität gewinnt, bloß weil Michi es sich zuerst geschnappt hat. Die Folge: Tommy fühlt sich in seiner Freiheit eingeschränkt, lässt alle anderen gleichwertigen Autos links liegen und überfällt Michi, um ihm das Auto zu entwenden. Das gelingt und nun ist natürlich Michis Freiheit eingeschränkt. Der Konflikt eskaliert.


Womit wir bei der letzten Reaktanzfolge sind: Der Aggression. Vielleicht haben Sie sich ein klein wenig über unseren Manipulationsversuch am Anfang des Beitrags geärgert. Selbst wenn diese geringe Reaktanzmanipulation keine Aggression hervorgerufen hat, kann man sich leicht vorstellen, dass Freiheitseinschränkungen zu Wut und Enttäuschung führen. So provoziert bei den G8-Gipfeln allein schon das 'Aussperren' der Demonstranten Aggression. Und Pannen bei der Übertragung von Fussballspielen führen mit großer Wahrscheinlichkeit zu Wutausbrüchen.


Im Alltag erliegen wir sehr oft den Reaktanzfolgen. Eine Ware zu kaufen, weil es 'nur noch wenige Exemplare' davon gibt oder unverhältnismäßige Zugeständnisse bei Vertragsverhandlungen zu machen, nur 'weil die Zeit drängt' (und nach Ablauf des Ultimatums keine Freiheit mehr bestünde) sind besonders auffällige Reaktanzsituationen. Aber schon kleine Dinge, wie die Entscheidung für den Film des Abends oder eben das Spielzeugauto können Reaktanzproblematiken auslösen.

Reaktanz ist oft nur schwer zu erkennen. Aller Anfang ist dabei eine verbesserte Selbsterkenntnis: Bewusstes Nachdenken über die Situation und die eigenen Gefühle, bevor man eine falsche oder übertriebene Entscheidung aus Reaktanz fällt.


Auch Reaktanz bei anderen nachträglich wieder zu reduzieren ist sehr schwer, wenn die Reaktanzmotivation einmal besteht: Die Freiheit muss völlig wiederhergestellt werden, und alle Alternativen müssen wie zu Beginn frei zugänglich sein! Mit dem dritten Absatz haben wir das bei Ihnen versucht. Ergründen Sie Ihre Gefühle: Fühlten Sie sich wirklich frei? Falls ja: Vielen Dank, dass Sie den Beitrag trotzdem bis zum Ende gelesen haben ;-)




gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Dienstag, 26. Mai 2009

Gesellige Menschen haben ein besser organisiertes Belohnungssystem

Eigentlich hatte er das so nicht erwartet.

Vor allem nicht so deutlich. Dr. Graham Murray von der renommierten University of Cambridge forscht über ernste psychische Erkrankungen. Er wollte nachweisen, dass Schizophrenie-Patienten und Autisten, die erhebliche Probleme bei sozialer Interaktion haben, in bestimmten Hirnregionen, die für Belohnung und das Empfinden von Glück mitverantwortlich sind, weniger Nervenzellen (Neuronen) haben als gesunde Menschen.


Dazu legte er zunächst gesunde Probanden in einen Magnetresonanztomografen (MRT) und vermaß deren "Belohnungssystem" - ein Verband von Nervenzellen, der sich von tief liegenden subkortikalen Hirnstrukturen zum Orbitofrontalen Kortex direkt über den Augen zieht. Vorab gab er ihnen einen Persönlichkeitsfragebogen, aus dem er ihre 'social reward dependence' berechnete - also die Tendenz, soziale Situationen aufzusuchen, die Fähigkeit, diese Situationen zu genießen und eine gewisse (positive, gesunde) Abhängigkeit vom Austausch mit anderen Menschen.


Das Ergebnis: Geselligere Menschen besaßen zum einen mehr Neuronen im Ventralen Striatum, von wo aus glücksstimulierende Botenstoffe gesendet werden. Zum anderen war die Neuronendichte auch im Orbitofrontalen Kortex bei den Kontaktfreudigen höher. Diese Unterschiede bestanden also bereits bei Gesunden, die sich einzig und allein in ihrer Kontaktfreudigkeit unterschieden. Ein weiteres Indiz dafür, dass soziale Interaktion und Kommunikation in einem engen Zusammenhang mit dem Empfinden von Glück stehen.


Murray ist allerdings vorsichtig bei der Interpretation seiner Ergebnisse. Er sieht vor allem zwei mögliche Schlussfolgerungen: Zum einen, dass Kontaktfreudigkeit und Interaktion das Belohnungssystem stärken und somit auf lange Zeit die Grundlage für eine Tendenz zum Glücklichsein schaffen. Zum anderen, dass gesellige und kontaktfreudige Menschen von Haus aus über ein weiter entwickeltes Belohnungssystem verfügen - dass es also eine Disposition zum Glück gibt.


Die Mehrzahl der existierenden psychologischen Untersuchungen spricht für die erste Hypothese. Allerdings kann die Zerstörung von Neuronen oder die Störung des Gleichgewichts von Botenstoffen im Gehirn - wie es zum Beispiel bei Depression oder Schizophrenie vorkommt - auf lange Sicht auch unser Belohnungssystem 'verkümmern' lassen.


Vermutlich sind beide Annahmen wahr. Um die Frage zu klären, sind letztlich wohl Langzeitstudien erforderlich. Und doch wird wieder einmal klar: Kommunikation und soziale Interaktion sind wichtige Schlüssel zum Glück.




gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Quelle: Murray, GK et al. (2009). The Brain Structural Disposition to Social Interaction. European Journal of Neuroscience, published online 20 May 2009

Montag, 25. Mai 2009

Visionsmanagement = wichtigster Erfolgsfaktor

Wie wichtig Ziele und Vorstellungen für den eigenen Karriereerfolg sind, zeigt eine aktuelle Metaanalyse der Harvard University, die demnächst im Journal of Developmental Psychology veröffentlicht wird.

Die Studie belegt, dass die Vorstellung konkreter Lebens- und Berufsziele von Teenagern mehr zu deren Schulerfolg beiträgt als Hausaufgabenhilfe, Zwang oder Qualität der Lehre.

(Auf dem zweiten Platz hinter dem Visionsmanagement folgte übrigens der Transfer von Lernstrategien)

Die Analyse setzte am Beginn der Entwicklung konkreter Karrierepläne an: Im Jugendalter. Studien mit insgesamt über 50.000 14-16jährigen Schülern wurden mit einbezogen. Mit ca. 14 Jahren zeigen im menschlichen Gehirn diejenigen Gehirnareale einen Entwicklungssprung, die für analytisches Denken, Problemlösen, Planen und Entscheiden zuständig sind. Kindliche Träume und Wünsche von Beruf und Karriere können nun analysiert und logisch durchdacht werden.

Nancy E. Hill, Leiterin der Studie, stellt fest: "In diesem Alter beginnen sie [die Schüler] damit, Ziele, Überzeugungen und Motivationen zu internalisieren und all das zu ihrer eigenen Entscheidungsfindung zu benutzen." Im Erwachsenenalter setzen wir das fort, nur mit ungleich höherer Erfahrung.


Auch nach der Schulzeit hängen Karriere- und Unternehmenserfolg wesentlich davon ab, ob und welche Ziele und Visionen vorherrschen. "Advice about what to focus on helps students plan their long-term goals." resümiert Hill. Und die langfristigen Ziele wirken sich wiederum auf ihren Erfolg aus.


Ebenso verhält es sich im Unternehmen. Die Integration von persönlichen Visionen der Mitarbeiter mit einer anschaulichen Unternehmensvision ist vielleicht DER kritische Faktor für langfristigen Erfolg. Bindung an das Unternehmen, Arbeitsmotivation und wahrgenommener Gestaltungsspielrum steigen, Absentismus und Präsentismus gehen zurück. Effektive Kommunikation über Ziele und Visionen lohnt sich deshalb.


Voraussetzung für eine geungene Integration von Karriere- und Unternehmensvisionen sind theoretische Kenntnisse über Visionsmanagement, Kenntnis der Persönlichkeit der Mitarbeiter und praktisches Wissen über effektive Kommunikation.




gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer


Quelle: Hill, N.E. et al. (2009). Tying education to future goals may boost grades more than helping with homework. Eurekaalert, public-release-date: 19-May-2009; http://www.eurekalert.org/pub_releases/2009-05/apa-tet051909.php

Freitag, 22. Mai 2009

Beziehungssprengstoff - Wie Männer richtig auf die falschen Fragen reagieren können

"Schatz -bin ich dick?" Tja, was sagt man darauf? Wenn die Partnerin solche und ähnliche Sachen fragt, stehen die Männer oft ganz schön dumm dar. Denn die Wahrheit ist bei vielen Fragen nicht immer die beste Antwort. Jeweils zum Wochenende erklärt Dr. Stephan Lermer die größten Sprengstofffragen der Damen - und die besten möglichen Antworten der Herren. In Kooperation mit ZDF - Hallo Deutschland"


Teil 1: "Schatz, ab morgen mache ich Diät! Was denkst du?"

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gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Mittwoch, 20. Mai 2009

Think Twice - Der Halo-Effekt

Politiker, Manager, Spitzensportler, Filmstars - sie alle nutzen den Halo-Effekt bis zum Äußersten aus. Bis sie uns ungewollt das Gegenteil beweisen. Und egal wie hoch man in der gesellschaftlichen Hierarchie aufgestiegen sein mag oder wie intellektuell-rational man denken mag - man unterliegt doch täglich dem wohl auffälligsten aller Wahrnehmungsfehler.

1974 designte der damals weltberühmte Psychologe Richard Nisbett eine Serie von Experimenten, mit denen er wissenschaftlich belegen konnte, was 1920 schon Edward Lee Thorndike vermutet hatte: Bei der Beurteilung unserer Mitmenschen greifen wir uns - oft unbewusst, aber systematisch - eine Eigenschaft oder einen allgemeinen Eindruck heraus. Diese von uns gewählte Eigenschaft 'überstrahlt' dann andere Eigenschaften der Beurteilten und führt unmittelbar zu einem Gesamturteil über eine Person. Alle anderen Eigenschaften werden sozusagen 'im Lichte' der von uns gewählten zentralen Eigenschaft bewertet.
Faszinierend dabei: Obwohl sich die meisten Menschen auch ohne explizites psychologisches Hintergrundwissen dieses Effekts bewusst sind, können sie sich nur sehr schwer dagegen wehren. Die berühmte 'rosarote Brille' im Zustand der Verliebtheit ist ein Beispiel dafür: Wer gut aussieht, wird oft auch als liebevoller, charmanter und verständnisvoller angesehen - Eigenschaften, die völlig unabhängig voneinander sind.

Richard Nisbett zeigte nun, wie verblüffend stark der Halo-Effekt ist. In seinen Experimenten teilte er Versuchspersonen in zwei Gruppen ein. Beiden Gruppen zeigte er ein fiktives Bewerbungsvideo eines neuen Professors (unter anderem mit belgischem Akzent -das ist relevant!). Die Studenten sollten mit Hilfe eines Evaluationsbogens den neuen Dozenten nach verschiedenen Gesichtspunkten beurteilen - Unter anderem Aussehen, Akzent und Verhalten. Der Clou dabei: Beide Gruppen sahen dieselbe Person, die dem Interviewer dieselben Antworten gab und sich gleich verhielt. Mit einem einzigen Unterschied: in der einen Bedingung gab der Dozent die Antworten in einer warmherzigen Art, im anderen Video wirkte er kalt und distanziert. Diese Eigenschaft wurde allerdings im Beurteilungsbogen nicht direkt berücksichtigt.


Das erste Ergebnis bestätigte den Halo-Effekt: Der 'warmherzige' Dozent wurde in allen Punkten (selbst bei der Beurteilung des Akzents!) besser eingeschätzt als sein distanziertes Alter Ego.
Doch das zweite Ergebnis war noch beeindruckender: Nach der Studie wurden alle Studenten darüber informiert, dass ihre Beurteilung der Eigenschaften des Dozenten wahrscheinlich von der zentralen Eigenschaft warmherzig vs. distanziert abhängt.

Die Studenten wurden danach einzeln befragt, ob das bei ihnen der Fall gewesen wäre. 'Nein, nicht bei mir! Ich habe mich nicht beeinflussen lassen!' war die beinahe einhellige Meinung.
Alle waren zudem davon überzeugt, dass sie die globale Einschätzung des Dozenten nicht von der zentralen Eigenschaft abhängig gemacht hatten, sondern ausschließlich von den Kriterien, die im Beurteilungsbogen aufgeführt waren.

Woher kam dann aber die bessere Beurteilung für den warmherzigen Dozenten?
Besonders bei der Leistungsbeurteilung stellt der Halo-Effekt eine zentrale Fehlerquelle dar. Aber auch im Alltag lohnt es sich für jeden von uns, ab und zu noch einmal genauer hinzuschauen, bevor wir jemanden beurteilen.



gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Dienstag, 19. Mai 2009

Der Soundtrack des Gehirns

Warum Menschen eigentlich Musik mögen, ist eines der großen Rätsel der evolutionären Psychologie. Viel spannender als die Frage nach dem Warum? ist aber eigentlich die Frage: Wozu?

Beinahe jeder Mensch liebt Musik. Welche Art von Musik wir wann mögen, hängt dabei wesentlich von unserer Stimmung ab. Andererseits ist es auch erwiesen, dass Musik Stimmungen induzieren kann: Bei ruhiger Musik entspannen wir, bei einem Allegro werden wir aktiv. Mittels EEG (Elektroenzephalogramm), mit dem Gehirnströme quasi in 'Echtzeit' gemessen werden, kann man seit einigen Jahren diese stimmungsinduzierende Wirkung auch neurophysiologisch nachweisen: Die Wellenmuster des Gehirns verändern sich unter dem Einfluss von Musik!

Wissenschaftler vom Science & Technology Directorate des US-Department of Homeland Security gehen nun noch einen Schritt weiter und behaupten: 'Jedes Gehirn hat seinen eigenen Soundtrack.' Tempo und Melodie variieren dabei in Abhängigkeit der Stimmung, der Tätigkeit und dem Aufbau des Gehirns selbst.

Das Erstaunliche: Diesen Soundtrack kann man in bestimmten Stimmungen aufzeichnen, in musikalische Signale übersetzen und wieder abspielen, um damit wiederum die gleichen Stimmungen zu induzieren: Das entstandene Biofeedback könnte zum Beispiel in naher Zukunft bei der Therapie von depressiven Erkrankungen genutzt werden. Oder man könnte den optimalen 'Alarm-Soundtrack' eines Feuerwehrmannes aufnehmen und ihn in entsprechenden Krisensituationen wieder abspielen (falls er ihn dann noch braucht).

Darüber hinaus hat jedes Gehirn einen Ruhe-Track, der bei völliger Entspannung entsteht und laut den Wissenschaftlern zur Entspannungsinduktion genutzt werden kann.

Ein Beispiel für eine solche "Gehirnkomposition" finden Sie unter folgendem Link:

Hörprobe Brainmusic Active

Der große Nutzen von Musik scheint also tatsächlich darin zu bestehen, uns in Stimmungen und Zustände zu versetzen, die optimales Verhalten bewirken. Evolutionäre Psychologen vermuten, dass sich die Liebe zur Musik gleichzeitig mit der Sprache entwickelte, weil beide in etwa dieselben Hirnregionen beanspruchen.

So gesehen wäre die Evolution der Musik ein Nebenprodukt der für die menschliche Spezies so wichtigen Sprachentwicklung. Womit auch die Frage nach der schönsten Nebensache der Welt endgültig geklärt wäre.


gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Quelle: http://hsdailywire.com/single.php?id=7859

Montag, 18. Mai 2009

Burnout-Behandlungskosten als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten absetzbar

Immer wieder sind wir erstaunt, dass die nur wenige Besucher unserer Praxis von dieser Möglichkeit wissen: Behandlungskosten für berufsbedingte Krankheiten, die die Versicherung nicht trägt, können von steuerpflichtigen Personen als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgesetzt werden - und zwar ab dem ersten Euro.

Dazu gehören zum Beispiel auch berufsbedingte psychosomatische Krankheiten wie Rücken- und Kopfschmerzen, die in unserer Praxis erfolgreich und nichtinvasiv mit Entspannungstechniken kuriert werden. Oder chronische Magen-/Darmprobleme, die Symptome einer tiefer liegenden psychischen Problematik (zum Beispiel einer depressiven Verstimmung) sind. Oder ein Burnout-Syndrom infolge massiver Belastung am Arbeitsplatz.

Der Bund der Steuerzahler in Bayern BdSt weist ausdrücklich darauf hin, dass Krankheitskosten als Betriebsausgaben bzw. Werbekosten zu steuerlich relevanten Verlusten führen können, die auch noch in Folgejahren ausgeglichen werden können. Der Bundesfinanzhof führt aus: Krankheitskosten können Betriebsausgaben bzw. Werbekosten sein, wenn die Aufwendungen zur Heilung oder zur Vorbeugung von Krankheiten entstanden sind, die durch den Beruf bedingt sind. Dies kann beispielsweise bei typischen Berufskrankheiten oder durch einen betrieblich bedingten Unfall der Fall sein (BFH v. 17.7.1992, Az.: VI R 96/88 v. 28.11.1977 GrS 2-3/77)

Damit trägt der Fiskus der zunehmenden Dominanz von Leistungsdruck und Geschwindigkeit in unserer Gesellschaft Rechnung. Psychosomatische Beschwerden und Burnout infolge zu hoher Belastungen am Arbeitsplatz haben in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Behandlungskosten für Depression und Burnout, sowie Folgekosten dieser Krankheiten auf Grund von Absentismus und Präsentismus (siehe unser Blog-Beitrag vom 23.3.09) sind derart explodiert, dass nun immer mehr die Prävention dieser Leiden in den Fokus rückt. Noch stecken allerdings betriebliche präventive Maßnahmen in den Kinderschuhen.



gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Freitag, 15. Mai 2009

Beziehungssprengstoff - Wie Männer richtig auf die falschen Fragen reagieren können

"Schatz -bin ich dick?" Tja, was sagt man darauf? Wenn die Partnerin solche und ähnliche Sachen fragt, stehen die Männer oft ganz schön dumm dar. Denn die Wahrheit ist bei vielen Fragen nicht immer die beste Antwort. Jeweils zum Wochenende erklärt Dr. Stephan Lermer die größten Sprengstofffragen der Damen - und die besten möglichen Antworten der Herren. In Kooperation mit ZDF - Hallo Deutschland"


Teil 1: "Schatz, was soll ich anziehen? Ich passe ja in gar nichts mehr rein!!!"

Antwort: Bitte Video starten.








gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer