Montag, 16. März 2009

Depressionen ? Gehen Sie in die Kirche.


Klar gibt es immer wieder einmal Stimmen,

die dem Weihrauch eine lungenverpestende

Wirkung zuschreiben. Und man kann auch

nicht verhehlen, dass der in der Kirche verglimmende

Weihrauch einen Feinstaubwert erzeugt, der die

EU-Richtwerte um ein zigfaches übersteigt.

Aber lassen Sie uns von der heilenden Wirkung

des kirchlichen Weihrauch-Einsatzes sprechen:
Nicht nur ein olfaktorisches Zeichen: Hier riech

ich Weihrauch, hier ist Gott nicht weit, oder,

hier riech ich Weihrauch, schon fühl ich mich

angekommen, im Schoß der Kirche. Hinzu kommen all die

kindlichen Erinnerungen, speziell auch an

essentielle Lebenslauf-Highlights wie

erste Kommunion, Firmung, Hochzeit, Taufe ...


Es ist darüber hinaus noch viel mehr:

Dieses „Opium fürs Volk“ hat es faustdick in

seiner Rauchschale: Weihrauch wirkt unbewusst

auf den Organismus. Und zwar therapeutisch :

Wissenschaftler aus Israel haben herausgefunden,

dass Weihrauch via bestimmter Ionenkanäle direkt

unser Gehirn beeinflusst: So werden Depressionen und Ängste

werden nachweislich gelindert.


Gerade in unserer heutigen Zeit,

wo neuerdings Depressionen einerseits zu den

Fehlzeiten-Hits der jährlichen Krankheitstage zählen,

andererseits unser absurdes Gesundheitskostensystem

die Depressionsbehandlung letztlich dem Einzelnen

überlässt, ist diese Meldung sicher für viele eine

erfreuliche Lösung: Kostenlose Stimmungsaufhellung

im Gotteshaus.


Die Kirchen werden sich freuen, wenn

wieder mehr Besucher kommen, und sei es nur zum

Gesundschnüffeln. Und nicht zuletzt dürfte es auch den Heiland freuen, wenn der Besuch bei ihm ein bisschen "high" macht.


Quelle: Faseb Journal 2008


P.s.: Morgen lesen Sie, warum das „mea-culpa-Klopfen“ in der Kirche unser

Immunsystem stärkt.

Donnerstag, 12. März 2009

Zur Wirtschaftskrise


Weibliches Krisenmanagement = Erfolgreiches Krisenmanagement



Von einer Aufsehen erregenden Studie berichtet Prof. Dr. Michel Ferrari von der französischen Ceram Business School.


Er analysierte die 40 im französischen Aktienindex CAC gelisteten Unternehmen, um Wirkfaktoren für die gegenwärtige Krise zu erheben. Dabei fokussierte er seine Forschungen auf die Unternehmen, die den wirtschaftlichen Abschwung bisher vergleichsweise gut gemeistert hatten und korrelierte verschiedene Kennzahlen dieser Unternehmen mit ihrem Erfolg im Jahr 2008. Das Ergebnis: Je größer der Frauenanteil in Managementpositionen, desto geringer der Kursverfall 2008!


Prof. Ferrari vermutet, dass die unterschiedliche Risikobereitschaft der Geschlechter einen für alle Stakeholder wahrnehmbaren psychologischen Vorteil suggeriert: Forschungen zum Führungsstil von Frauen und Männern zeigen, dass Frauen eher risikoärmere und langfristig nachhaltigere Entscheidungen treffen. Geschlechterdiversität im Unternehmensmanagement führe demnach dazu, dass die Risikobereitschaft der männlichen Kollegen wieder ausgeglichen und die Unternehmenskultur vielfältiger werde. Dadurch wird das Management flexibler, anpassungsfähiger und letztlich erfolgreicher.


Ferrari gibt zu bedenken: Bislang gibt es zu wenige Studien, die den Erfolg „weiblicher“ Managementpraktiken (z.B. erhöhtes soziales Engagement) belegen. Die gängige Lehrmeinung ist, dass solche mitarbeiterzentrierten Führungsaufgaben auf Topmanagement-Ebene nicht zur Erhöhung von Rentabilität oder Dividende beitragen. Er empfiehlt daher: Mehr angewandte Forschung zu Unternehmenszielen, Unternehmensführung und Diversität sowie gezielte innerbetriebliche Förderung weiblicher High Potentials.


Quelle: Ferrari, M., in Financial Times 3/2009

Zum Amoklauf in Winnenden

"Aggressionen brauchen Ventile"
Interview mit Dr. Stephan Lermer. Antje Karbe, Mittelbayerische Zeitung, 11.3.2009


Wie verbringt mein Kind seine Zeit? Dr. Lermer rät Eltern, genau hinzuschauen

Was bewegt einen Jugendlichen, der wild um sich schießt? „Auch hier kamen mehrere Ursachen zusammen“, ist sich der Münchner Psychologe Dr. Stephan Lermer sicher. Dass im Elternhaus des Amokschützen 18 Waffen gefunden wurden, könne beispielsweise einer sein. „Andere Jugendliche hätten gar keinen Zugriff auf Waffen – Verfügbarkeit macht verführbar.“ Auch die Parallele zum gestrigen Amoklauf in den USA sei auffällig. „Das könnte durchaus ein Auslöser gewesen sein, der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.“

Grundsätzlich seien aggressive Fantasien bei Jugendlichen nicht unnormal, sagt Lermer. „Die Pubertät ist eine Revolutionsphase, ein hormoneller Ausnahmezustand. In dieser Zeit muss man viel leisten, enorme Frustrationstoleranz aufbringen und bekommt zu wenig Anerkennung dafür – ob in Form von Geld oder einer Freundin.“ Die Frage sei nur, wie sich Frust und Aggressionen dann entladen.

„Das ist auch auf positive Weise möglich, durch Sport, Kunst oder Lachen, zum Beispiel.“ Solche Ventile fehlten vielen Jugendlichen zunehmend. „Wenn jemand zuhause hockt, werden Energien nicht mehr motorisch entladen.“ Hier seien zuallererst Eltern gefragt. „Schauen Sie sich die Freunde ihres Kindes an“, rät er. „Mit wem verbringt er seine Zeit, welche Themen und Fantasien bewegen es.“ Ein Warnzeichen sei, wenn es überhaupt keine Freunde gebe, „dann fehlt das Regulativ“. Auch die Gesellschaft sei gefragt, genau hinzuschauen. „Damit problematische Jugendliche nicht in die falschen Fantasien abdriften.“ Das müsse man aus Winnenden lernen: „Wir müssen solche Themen mehr diskutieren und an Schulen noch psychologischer aufklären.“

Mittwoch, 11. März 2009

Vertrauen durch Wärme: Es kann ab und zu so einfach sein …


Die positive Macht unbewusster Assoziationen haben die Forscher Lawrence Williams und John Bargh auf ebenso einfache wie eindrucksvolle Weise empirisch belegt.


John Smith ist intelligent, attraktiv, fleißig, vorsichtig. Und kalt. Würden Sie gerne mit John Smith befreundet sein? Nein? Warum nicht? Wahrscheinlich wären Sie wie viele andere Menschen eher bereit, Freundschaft mit John zu schließen, wenn er intelligent, attraktiv, fleißig, vorsichtig und „warmherzig“ anstatt „kalt“ wäre.


Die Persönlichkeitseigenschaft „Wärme“ spielt eine wichtige Rolle bei sozialem Urteilen. Wärme suggeriert Freundlichkeit und Geborgenheit, Zugehörigkeit und Wohlbefinden. Diese Assoziation bildet sich bereits in frühester Kindheit, wenn wir zum Beispiel wärmenden Schutz zuhause nahe bei Mutter oder Vater finden.


Williams und Bargh zeigten nun, dass schon das Empfinden von Wärme dazu führt, dass wir andere Menschen positiver beurteilen.


Sie baten die Hälfte Ihrer Probanden, kurz eine Tasse warmen Kaffee in der Hand zu halten, bevor Sie einen Fragebogen ausfüllten, in dem sie die Persönlichkeit des Untersuchungsleiters einschätzen sollten.


Die andere Hälfte der Probanden bekam vor dem Fragebogen einen Eiskaffee zum kurz halten ausgehändigt.


Das Ergebnis: Bei den „gewärmten“ Versuchspersonen kam der Untersuchungsleiter viel besser weg. Die Wissenschaftler vermuten, dass sowohl Temperatur als auch soziale Emotionen in der gleichen Hirnregion verarbeitet werden - und zwar in der Insula bzw. Inselrinde, eine Region der Großhirnrinde, die eigentlich für Hunger, Durst und Nikotinsucht zuständig ist.


Fazit: Empfindungen wie von Geborgenheit, Wohlwollen, Bindung etc. sind mit dem Empfinden von Wärme aufs Engste miteinander verbunden.


Das spannende Experiment wurde ausgeweitet: Die Teilnehmer bekamen nun verschieden temperierte Kühlpackungen in die Hände gedrückt. Die Aufgabe bestand darin, ein Geschenk weiterzuschenken oder für sich selbst zu behalten.


Wie vermutet behielten diejenigen mit den kalten Händen die Geschenke lieber für sich selbst, wohingegen die „gewärmten“ Probanden bereit waren zum großzügigen Verschenken.


„Gibs aus der warmen Hand“ bekommt nach diesen empirischen Forschungsergebnissen der wissenschaftlichen angewandten Psychologie plötzlich eine ganz neue Bedeutung.


Die warme Hand will geben: Positive Einschätzungen wie physisch reale Geschenke.


Systemisch und energetisch gesehen ebenso einleuchtend wie konstruktivistisch:

Wer im Plus ist, weil psychophysiologisch gewärmt, wird tatsächlich positiver und sozialer.




Quelle: Williams, L., Bargh, J. (2008). Experiencing physical warmth promotes interpersonal warmth. Science, 322, 2008, pp. 1427-1435

Dienstag, 10. März 2009

Anhedonismus und Zeit


Anhedonismus ist die Unfähigkeit, positive Emotionen wie Glück, Wohlbefinden oder Zufriedenheit zu empfinden. Die meisten Menschen sind durchaus fähig, in gesundem Maße Glück zu fühlen. Oft gehen unsere positiven Gefühle aber in selbstauferlegtem (Zeit-) druck unter, können nicht richtig genossen werden und verblassen angesichts der Themen, mit denen wir uns aktuell "belasten" (lassen). Dazu Dr. Stephan Lermer im Bayerischen Rundfunk:



Die eigene Zeit nicht zu nutzen, seine Zeit mit überflüssigen Dingen anzufüllen oder die Zeit nicht aktiv zu nutzen, ist symptomatisch für eine Gefühllosigkeit gegenüber den guten und den schweren Zeiten, eben dem Leben selbst. „Carpe Diem“ heißt deshalb das Motto auch und gerade in turbulenten Zeiten. Nutzen Sie den Tag und fangen Sie immer wieder neu an, in Ihrem Leben selbst Regie zu führen.

Montag, 9. März 2009

Stimmt das mit dem Erwerb kommunikativer Kompetenzen durch Gesten? JA, sagt die Neurobiologie.


Von neuronaler Platizität, Sensitiven Phasen und Spiegelneuronen


Bereits vor dem Tag unserer Geburt sind wir fähig zu kommunizieren. Wir treten in Interaktion mit unserer Umwelt, ganz gleich was wir tun.


Schon Säuglinge können sehr deutlich kommunizieren. Dass es ihnen an sprachlichen Mitteln fehlt, liegt dabei nicht nur an mangelnder Erfahrung, sondern vor allem auch an biologischen Bedingungen: In den ersten Lebensmonaten entwickeln sich die Gehirnstrukturen erst, die für effektive Kommunikation verantwortlich sind - dafür in dieser Zeit besonders rapide.


Die Schnelligkeit und Güte der Entwicklung dieser Strukturen hängt dabei einerseits von unveränderlichen genetischen Faktoren ab, andererseits aber von Bedingungen, auf die insbesondere Eltern maßgeblich Einfluss nehmen können. Die letzten Jahre biopsychologischer Forschung haben uns tiefe Einblicke in die psychobiologischen Grundlagen des Spracherwerbs gewährt. Vor allem aus drei neurobiologischen Prinzipien lassen sich fundierte Handlungsempfehlungen für die kindliche Sprachentwicklung ableiten:


1. Neuronale Plastizität: Das menschliche Gehirn ist zu lebenslangem Lernen fähig. Grundlage von Lernen und Erfahrung sind Aufbau und Wiederherstellung von Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn. Ein Neugeborenes kommt mit ca. 50 Billionen dieser sogenannten neuronalen synaptischen Verschaltungen zur Welt. In den Jahren nach der Geburt, in der kritischen Phase der motorischen und der Sprachentwicklung also, werden ca. 1000 Billionen neuer Verknüpfungen gebildet, von denen anschließend die Hälfte wieder verkümmert, weil die Verschaltung dann effizienter und ressourcensparender organisiert wird. Kritisch für das Wachsen dieser Verbindung ist allerdings, dass das Gehirn qualitativ und quantitativ die richtige Dosis Input erhält: Lernen ist nur in Interaktion mit der Umwelt möglich. Neue Erfahrungen müssen zu spürbaren (und am besten angenehmen) Wirkungen führen, damit sie so „verschaltet“ werden, dass erfolgreich gelebt werden kann.


2. Sensitive Phasen: Für jede Fertigkeit gibt es kritische Zeitphasen, in denen das genetisch festgelegte Programm des neuronalen Wachstums besonders sensibel ist für Lernerfahrungen aus der Umwelt. Beim Spracherwerb gibt es mehrere solcher kritischer Phasen, die individuell verschiedene Verläufe zeigen:


a) Bereits vor der Geburt und in den ersten Lebensmonaten ist zunächst die rechte Gehirnhälfte für die Sprachentwicklung wichtig. Der Säugling lernt, sich in seiner kommunikativen Umwelt zu orientieren. Er sucht aktiv Orientierung an Kommunikationssignalen insbesondere der Mutter und reagiert auf Gefühlsaüßerungen. Er beginnt, selbst Lautäußerungen zu koordinieren. Zeigen Sie in dieser Phase Ihre Gefühle, suchen Sie Körperkontakt, schauen Sie das Kind an und geben Sie eindeutig verständliche Rückmeldungen.


b) Bis zum 20. Monat wird der Wortschatz vergrößert. Hier werden vor allem die ungeheuer vielen synaptischen Verbindungen, die in dieser Zeit entstehen genutzt, um Wörter, Gesten und Mimik zu lernen und sinnvoll zu verbinden. Reden Sie in dieser Zeit viel mit dem Kind und gehen Sie auf das Wissen ein, das es bereits besitzt. Das Kind kann so neues Wissen mit altem Verknüpfen. Es lernt, neue Begriffe sinnvoll einzubinden.


c) Vom 20.-25. Monat bis zum Alter von 3 Jahren lernt das Kind unbewusst, die grammatische Struktur der Muttersprache zu entschlüsseln. Achten Sie darauf, dass Sie selbst Grammatik und Wortwahl konsistent und korrekt benutzen.


3. Spiegelneuronen: In nahezu allen Gehirnregionen fanden Forscher in den letzten Jahren Nervenzellen, die ein faszinierendes Verhalten zeigen: sie reagieren nicht nur auf eigene Aktivitäten, sondern auch auf Dinge, die andere Menschen tun und sagen. Man nimmt an, dass diese Neuronen dafür verantwortlich sind, dass Kinder ein eigenes Bewusstsein erhalten. Und dass Kinder auf Grund dieser Zellen fähig sind, durch Nachahmung zu lernen. Die meisten dieser Zellen wurden bislang unterhalb des so genannte prämotorischen Areals, das für Handlungsplanung und –steuerung zuständig ist, entdeckt. Und zwar innerhalb einer Hirnregion, die für das Sprechen zuständig ist. Die wichtigste Aufgabe der Spiegelneuronen könnte demnach sein, Kommunikation zu lernen und zu üben. Besonders in den ersten Lebensjahren bilden die Spiegelneuronen viele synaptische Verbindungen aus. Die Spiegelzellen sind ein Beleg dafür, dass Kleinkinder vieles durch Beobachtung ihrer Bezugspersonen lernen.


Seien Sie also ein gutes Vorbild: Kommunizieren Sie deutlich und kommunizieren Sie ehrlich. Zeigen Sie Ihrem Kind, wie es erfolgreiche Kommunikation lernen und anwenden kann. Nutzen Sie Ihr Wissen um Ihre eigene kommunikative Kompetenz und geben Sie es Ihren Kindern weiter.



Quellen:

Bates, E. (1999). Plasticity, Localization and Language Development. In: Broman, S., and Fletcher, J. (1999). The Changing Nervous System. Oxford UP

John L. Locke (1993). The Child's Path to Spoken Language. Harvard U Press

Freitag, 6. März 2009

Kindlicher Spracherwerb durch Gesten – Was können Eltern und Großeltern tun?

Im Blog-Beitrag von gestern, 5.3.09 berichteten wir von einer Studie der University of Chicago, in der die Gesten der Kinder ihre eigene Sprachentwicklung fördern: 14 Monate alte Kleinkinder, die ca. 25 verschiedene Gesten beherrschen, haben später im Alter von viereinhalb Jahren durchschnittlich ein Vokabular von 114 Wörtern. 14 Monate alte Kleinkinder, bei denen nur ca. 15 verschiedene Gesten beobachtet wurden, können dreieinhalb Jahre später lediglich durchschnittlich 93 Wörter. Die Schere klafft mit zunehmendem Alter immer weiter auseinander. Es ist anzunehmen, dass sich die frühen Defizite im nichtverbalen Ausdruck auf die gesamte Kommunikationsfähigkeit eines Menschen auswirken.

Was können Eltern und andere nahe Bezugspersonen tun, um den Spracherwerb der Kinder schon früh zu fördern?

Die erste Regel lautet: Fördern Sie die Gesten, die Ihre Kinder machen, um etwas zu benennen. Sagen Sie zum Beispiel: „Ja, das ist ein Hund.“ Beschreiben Sie den Hund mit Ihren Worten für das Kind („Er macht wau-wau…, jetzt schäft er…“). Damit verstärken Sie aktiv die Kommunikationsfähigkeit der Kinder und das Benutzen von Gesten. Reagieren Sie auf die Gesten, die die Kinder machen und zeigen Sie den Kindern, dass Kommunikation sich lohnt, indem Sie freundlich sprechen und dabei lächeln. Verstärken Sie Gesten der Kinder bereits bevor Sie sprechen können mit sprachlichen Äußerungen. So lernen diese, dass verbale Kommunikation wichtig und sinnvoll ist.

Die zweite Regel: Seien Sie ein gutes Vorbild. Kinder profitieren gerade beim Spracherwerb extrem vom sogenannten Modelllernen. Sie imitieren Ihre Kommunikationsmuster, wenn sie der Meinung sind, dass diese Muster ihnen nutzen. Wenn Sie viel und oft Dinge benennen und verbal beschreiben, wird sich der Spracherwerb schneller vollziehen. Wenn Sie selbst Gestik und Mimik einsetzen, um Kommunikation effektiver zu gestalten, wird Ihr Kind das auch verstärkt tun – und seinerseits erfolgreicher kommunizieren.

Die dritte Regel: Gönnen Sie Ihren Kindern auch ab und zu Stille. Überfluten Sie sie nicht mit Information. Kinder brauchen die Stille, um Gelerntes zu „konsolidieren“. Umgangssprachlich sagt man, man sollte neu gelernte Dinge erst „sich setzen lassen“, damit sie später „sitzen“ und man sie erfolgreich anwenden kann. Kinder brauchen auch Zeiten der Stille, damit sie all das, was sie zuvor gehört haben, verarbeiten können. Schlecht wäre zum Beispiel, pausenlos den Fernseher laufen zu lassen. Gut dagegen, die Kinder auch einmal still vor sich hin spielen oder einfach schlafen zu lassen. Um dann wieder sprachlich und körpersprachlich mit ihnen zu kommunizieren.

Die Psychologinnen Susan Goldin-Meadow und Meredith Rowe von der University of Chicago untersuchten in einer Langzeitstudie den Zusammenhang von Gestik und Spracherwerb und deckten dabei auch gravierende Mängel bei der Kommunikation mit Kleinkindern auf. Der Spracherwerb von Kindern leide oft unter Stress, Zeitdruck und teilweise Interesselosigkeit der Eltern. Sie empfehlen, die Kommunikation mit Kindern bewusst zu suchen, denn von gelungenen Interaktionen profitieren nicht nur die Kinder, sondern unmittelbar auch Erwachsene. Wer ist nicht stolz und glücklich, wenn er erfolgreich mit Kindern kommuniziert, ihnen etwas beibringen kann oder sie zum Lächeln bringt?

Im nächsten Blog-Beitrag erfahren Sie einige biopsychologische Hintergründe des Spracherwerbs.

Quelle: Rowe, M, Goldin-Meadow, S, Ocskaliscan, S (2008). Learning words by Hands: Gesture´s role in predicting vocabulary development. First Language, 28 (2), pp. 182-199

Donnerstag, 5. März 2009

Mit Händen und Füßen – Gesten vergrößern den Wortschatz bei Kleinkindern

„Gesten pflastern den Weg für die Sprachentwicklung“ behauptet Jana Iverson von der University of Pittsburgh fest. Zusammen mit ihrer Kollegin Susan Goldin-Meadow hat sie Kleinkinder in der ersten Phase ihrer Sprachentwicklung beobachtet. Sie stellte dabei fest, dass Kinder, die gestenreich kommunizieren schneller damit anfangen, aus einzelnen Wörtern erste Sätze zu formen. Ein wichtiger Schritt in der Sprachentwicklung, denn Kinder spüren schnell, dass sie oft nur durch die sinnvolle Aneinanderreihung von Wörtern wirklich das bekommen, was sie wollen.

Kleinkinder benutzen Gesten, bevor Sie sprechen können. Sie beginnen normaler Weise mit 9-12 Monaten, erste zielgerichtete Gesten auszuführen, meistens indem Sie auf bestimmte Objekte (Auto, Papa) zeigen. Wenn sie zu sprechen beginnen, kombinieren sie ihre Gesten zum Zweck erfolgreicher Kommunikation oft mit den passenden Worten. Der nächste Schritt besteht darin, auf Objekte zu zeigen und bestimmte Eigenschaften zu erwähnen (z.B. auf einen schlafenden Hund zu zeigen und „müde“ zu sagen). Darauf hin folgen 2-Wort-Kombinationen („Hund müde“).

In der Studie begannen Kleinkinder, die mehr und aktiver gestikulierten, früher als andere Kinder 2-Wort-Kombinationen und sinnvolle Sätze zu entwickeln.

Die Verbindung von Gesten und erfolgreicher Kommunikation setzt sich bis ins Erwachsenenalter fort. Wie Blickkontakt, Mimik und Körperhaltung ist auch die Gestik Teil der sogenannten nichtverbalen Kommunikation. Mit ihrer Hilfe betonen wir bestimmte Inhalte und drücken Stimmungen aus. Kommunikationsforscher schätzen übereinstimmend, dass 55% aller Kommunikationsinhalte über nichtverbale Zeichen vermittelt werden. Das Training nichtverbaler Kommunikation nimmt damit eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von kommunikativer Kompetenz ein. Schon bei Kleinkindern ist diese Entwicklung messbar.

Quellen:

Iverson, J., Goldin-Meadow, S. (2005). Gesture Paves the Way for Language Development. Psychological Science,16 (5), pp. 367-371

Lermer, S. (2005). Kommunikative Kompetenz. In : Von den Besten profitieren, GABAL

Mittwoch, 4. März 2009

Wer rastet, der rostet - Sport trainiert auch das Gedächtnis

„In letzter Zeit fühle ich mich müde. Ich habe Kreislaufprobleme. Ich kann mir nichts mehr merken.“

Klar, viele Ursachen können hinter Gedächtnisstörungen stecken, aber die beste „Therapie“ gegen leichte Erinnerungsdefizite umfasst immer eine gesunde Portion Fitness.

Forscher der University of Melbourne haben nun herausgefunden, dass bereits zweieinhalb Stunden Sport pro Woche die Erinnerungsfähigkeit stärken. Die Wissenschaftler verschrieben ihren Probanden 3x pro Woche leichte körperliche Betätigung. Im Vergleich zu Probanden ohne Sportprogramm schnitten sie nach 6 Monaten wesentlich besser bei Tests ab, die allgemeine Gedächtnisleistungen und Gedächtnisschwäche messen.

Sportprogramme werden inzwischen vielfach sinnvoll in Prävention und Behandlung von progressiven degenerativen Erkrankungen des Gehirns eingesetzt, so z.B. bei der Alzheimer-Erkrankung.

Bewegung stärkt nicht nur Muskeln und Gehirn, sondern auch unser körpereigenes Abwehrsystem. Bei der Therapie von Depression sind Fitnessprogramme seit Jahren integraler Teil der Behandlung. Sinnvoll ist vor allem, sich einen gesunden Trainingsplan aufzustellen, der sportliche Aktivitäten strukturiert und weder über- noch unterfordert. Auch im Psychologischen Coaching wird Sport berücksichtigt: Fit sein heißt leistungsfähig sein und flexibel auf Herausforderungen reagieren können – natürlich erfolgreich auf vielen Gebieten gleichzeitig.

Nutzen Sie also Sport auch präventiv als Gedächtnis-Training – solange Sie sich daran erinnern können…

Quellen:

Lautenschlager, N. et al. (2008). Effect of physical activity on cognitive function in older adults at risk for Alzheimer disease: a randomized trial. Journal of the American Medical Association, 9, 1027-1037

Lermer, S. Immunkraft. Econ-Verlag

Montag, 2. März 2009

Doodle do… – Kritzeleien erhöhen die Konzentration

Gehören Sie auch zu den Menschen, die während endlosen Telefongesprächen und Meetings beginnen, kleine Zettel zu bemalen? Herzlichen Glückwunsch, gute Strategie! Forscher der University of Plymouth haben herausgefunden, dass das Zeichnen von kleinen Bildern und Mustern während eintönigen Tätigkeiten offenbar die Konzentration fördert.

Jackie Andrade von der School of Psychology spielte ihren Probanden in einem kontrollierten Experiment eine ziemlich langweilige Telefonnachricht über eine Party und deren Gäste vor. Die Hälfte der Probanden durfte nebenher kleine Bildchen ausmalen, die andere Hälfte sollte einfach nur zuhören. Anschließend fragte die Forscherin die Namen der Partygäste und Orte ab, die in dem Telefongespräch genannt wurden. Das erstaunliche Ergebnis: Die zeichnenden Probanden erinnerten durchschnittlich 29% mehr Informationen!

Die Psychologin Andrade geht davon aus, dass uns das Kritzeln davon abhält, uns Tagträumen hinzugeben, die die Konzentration stören. Wer hat nicht schon mal während eines Meetings an die restlichen Termine des Tages gedacht oder den letzten Abend noch einmal Revue passieren lassen oder? Wer nicht zeichnet, erinnert sich später wesentlich schlechter an relevante Dinge. Wer aber etwas nebenbei „exteriorisiert“, also zum Beispiel visuell fixiert, bewirkt damit, dass die Aufmerksamkeit fokussiert und die Konzentration auf einem optimalen Level bleibt. Und verhindert Tagträume, die unsere Aufmerksamkeit verringern.

Quelle: Andrade, J. (2009). What does doodling do? Journal of Applied Cognitive Psychology, 2009