Donnerstag, 30. April 2009

Allgemeine Intelligenz begünstigt ökonomische Entscheidungen

Als Alan Greenspan, langjähriger Chef der US-Notenbank Federal Reserve System nach seinem typischen Tagesablauf gefragt wurde, meinte er: 'Am Morgen lege ich mich erst einmal in die Badewanne und studiere dabei die neuesten Zahlen. Dort ist mein IQ um ein paar Punkte höher.'

Wahrscheinlich war sich Greenspan bewusst, dass die Intelligenz über kurze Zeiträume per Definition relativ gleich bleibt. Natürlich verändert sich aber die Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, diese Intelligenz abzurufen und anzuwenden in Abhängigkeit von der Tageszeit.

Greenspan wollte mit der Aussage allerdings etwas weitaus Wichtigeres mitteilen, nämlich: 'In meiner Finanzpolitik treffe ich rationale, intelligente Entscheidungen. Dafür wende ich jeden Intelligenzpunkt auf, den ich besitze.'

Und neueste Forschung gibt ihm Recht: Studien an der Universität in Haifa belegen brandaktuell einen Zusammenhang zwischen allgemeiner Intelligenz und der Fähigkeit, lang- und kurzfristig erfolgreiche ökonomische Entscheidungen zu fällen.

Als Versuchsteilnehmer dienten 1000 Trainees einer US-Spedition. Sie durchliefen zunächst alle einen IQ-Test. Anschließend wurden sie gebeten, in verschiedenen ökonomischen Szenarien Entscheidungen zu treffen. Hier hatten die Intelligenteren im Schnitt einen höheren Outcome. Auch bei sozialen Fertigkeiten waren sie besser: Sie könnten mit größerem Erfolg das Verhalten von Verhandlungspartnern vorhersagen und waren kooperativer bei Win-Win-Deals.

Dass allgemeine Intelligenz nicht nur den Erfolg von Entscheidungen in ökonomischen Experimenten beeinflusst, zeigten die Forscher in einer Folgestudie, in der sie den erfolgreichen Verbleib der Trainees in ihrer Ausbildung maßen. Hintergrund: Das Unternehmen bezahlte die Ausbildung für diejenigen, die das Programm komplett durchliefen. Die Abbrecher mussten einen Teil ihrer Ausbildungsvergütung wieder zurückzahlen. Obwohl ein Ausbildungsabbruch kurzfristig mit einer eventuell höheren Vergütung bei anderen Unternehmen verbunden war, zahlte er sich mittelfristig in keinem der Fälle wirklich aus. Der wirtschaftlich sinnvollere Verbleib im Trainee-Programm korrelierte wieder mit der allgemeinen Intelligenz der Teilnehmer: Je höher der IQ, desto wahrscheinlicher blieben sie.

Insgesamt zeigen die Studien, dass individuelle Charaktereigenschaften, die wirtschaftlichen Erfolg beeinflussen - Geduld, Risikobereitschaft und effektives Sozialverhalten - von allgemeinen kognitiven Fähigkeiten beeinflusst werden.

Neben der unmittelbaren ökonomischen Relevanz der Ergebnisse stehen für Stephen Burks, Ko-Autor der Studie, vor allem pädagogische Implikationen im Vordergrund: "Durch frühe Förderung in der Kindheit können offensichtlich nicht nur allgemeine geistige Fähigkeiten positiv beeinflusst werden, sondern letztendlich auch effektive ökonomische Entscheidungsfähigkeit".


gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Quelle: http://www.eurekalert.org/pub_releases/2009-04/uom-pwh042709.php

Mittwoch, 29. April 2009

Living outside the box

Wer eine Zeit lang im Ausland lebt und arbeitet ist nachweislich kreativer.

In 2 Studien wies ein internationales Forscherteam um William Maddux zunächst nach, dass Studenten und Berufstätige, die für eine gewisse Zeit außer Landes gearbeitet hatten, kreativer und erfolgreicher bei technischen Problemlösungen und Preisverhandlungen waren. Die Dauer des Auslandsaufenthaltes war dabei interessanter Wiese irrelevant.

Maddux und seine Kollegen führten eine Folgestudie durch, in der sie die Ursachen der Verbindung von Kreativität und Auslandsaufenthalt beleuchteten. Sie fanden eine weitere interessante Korrelation: Je mehr sich die Studenten mit der Kultur identifiziert hatten, in der sie gelebt und gearbeitet hatten, desto kreativer waren sie. Maddux: "Das zegt, dass es eine Art psychologischer Transfomation gibt, die dann auftreten könnte, wenn man daran arbeitet, sich in eine neue Kultur einzuleben. Gleichzeitig wird die Kreativität generell gefördert."

In einem weiteren Experiment bekamen Versuchspersonen - alle hatten eine Zeit im Ausland studiert oder gearbeitet - eine von zwei möglichen Aufgaben: Sie sollten entweder über die Zeit ihres Auslandsaufenthaltes schreiben oder über andere alltägliche Aktivitäten. Das Ergebnis: Die Menschen, die über ihre Zeit in anderen Kulturen schrieben schnitten im folgenden Kreativitätstest am besten ab.

"Das Wissen, dass Auslandserfahrungen wichtig für kreatives Verhalten sind, lässt Austauschprogramme für Studenten und Berufstätige sowie Auslandsentsendungen von Mitarbeitern noch wichtiger erscheinen", meint Maddux. "Besonders für Unternehmen, bei denen Kreativität und Innovation eine große Rolle spielt.


Noch ist die Richtung des Zusammenhangs unklar. Die Ergebnisse der Studien zeigen jedoch in eindeutiger Weise den Nutzen weltweiter Vernetzung und interkultureller Kommunikation auf.



gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Quelle: Leung, Maddux, Galinsky, Chiu (2008). Multicultural Experience enhances Creativity: The When and Who. American Psychologist, 2008

Dienstag, 28. April 2009

Stress löst Gehirnstrukturen auf

Wie gravierend sich Stress auf das Gehirn auswirkt, zeigte eine Studie der Yale School of Medicine im März dieses Jahres:
Unter langandauerndem Stress zeigen wir oft hilfloses Verhalten, Resignation macht sich breit. Dieses Verhalten ist nicht nur Nährboden für psychische Beeinträchtigungen wie Depression, Burn-out oder Agoraphobie. Es spiegelt sich auch im Zerfall von Synapsen (Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn) im Hippocampus wider - einer Hirnstruktur, die für Erinnern und emotionale Verarbeitung mitverantwortlich ist.

"Der Synapsenverlust ist wahrscheinlich die Ursache für die rapide Verschlechterung der Stimmung bei depressiven Patienten" behauptet Tibor Hajszan aus der Forschergruppe der Yale School of Medicine. Zusammen mit seinen Kollegen sucht er nach Medikamenten, die diese Synapsen kurzfristig wieder aufbauen, um eine Behandlung von Depression und Burn-out zu ermöglichen.

Für langfristigen Aufbau und Erhalt von Synapsen ist vor allem Aktivität förderlich. Psychotherapeuten tragen dem in vielen Behandlungsansätzen Rechnung, beispielsweise in der Verhaltenstherapie. Aber auch präventiv kann eine Menge getan werden, um Resignation, hilfloses Verhalten und damit assoziierte organische Gehirnveränderungen zu vermeiden:

Bewegung,
gesunde Ernährung und vor allem
sinnvolle Aktivitäten

sind interessanter Weise also auch wichtige Grundlagen auch psychischer Gesundheit.



gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Quelle: Hajszan, T. et al. (2009). Remodeling of Hippocampal Spine Synapses in the Rat Learned Helplessness Model of Depression. Biological Psychiatry, 65 (5), 392-400

Freitag, 24. April 2009

Glück: Nicht allein eine Sache des Glücks

Interview mit dem Psychologen und Glücksforscher Dr. Stephan Lermer, Sorbas 1/2009
Teil 4



SORBAS: Kann man Glücksgefühle eigentlich auch essen?

Stephan Lermer: Walnüsse und Blaubeeren machen glücklich. Essen Sie Fisch und 30 min später etwas Süßes, dann fühlen Sie sich glücklich.

SORBAS: Das Internetjournal Sorbas widmet sich dem beruflichen beziehungsweise privaten Neubeginn. Was würden Sie einem Menschen nach einer Niederlage zu dessen Entlastung mit auf den Weg geben, damit er wieder auf die Beine kommt und die Weichen neu stellen kann?

Stephan Lermer: Scheitern gehört zum Leben. Es beweist, dass jemand den Mut hatte, etwas zu wagen, selbst wenn das Ergebnis in der gewünschten Form ausblieb. Zum Erfolg gehört das Versuchen und das Risiko eines Scheiterns. Ein Fehlschlag erträgt sich allerdings leichter, wenn ich anfange, ihn anders zu betrachten. Unter Umständen brauche ich Lehrjahre, um die Herrenjahre anschließend besser genießen zu können. Wenn ich aufhöre, ein Scheitern nur negativ zu betrachten, ist der erste Schritt zur Überwindung bereits getan.

SORBAS: Dr. Lermer, in Ihren Seminaren geht es vor allem darum, Menschen den Weg zu einem besseren und glücklicheren Leben aufzuzeigen. Welche Glückswege zeigen Sie Ihren Ratsuchenden auf?

Stephan Lermer: In unseren 2-tägigen Seminaren (Freitag-Samstag) helfen wir den Menschen im Wesentlichen dabei, Antworten auf folgende Fragen zu finden: Wer bin ich? Was passt zu mir? Und wie schaffe ich den Transfer in den Alltag?

SORBAS: Dr. Lermer, was würden Sie Menschen, die noch einmal ganz neu enfangen möchten, als Ihr persönliches Glücksrezept zum Schluss gerne mit auf den Weg geben?

Stephan Lermer: Ich würde sie zu mehr Courage aufrufen. Die Menschen müssen lernen, ihre Chancen selbst wahrzunehmen. Das Glück besteht auch darin, dass wir mutiger werden, uns etwas zutrauen und unsere Komfortzonen verlassen. Wie Menschen zu einem für sie glücklicheren Leben finden können, vermitteln wir in unseren Seminaren. Entsprechende Anleitungen finden sich auch in meinen Publikationen sowie auf meiner CD.

SORBAS: Dr. Lermer, ich bedanke mich für das Gespräch.



gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Donnerstag, 23. April 2009

Glück: Nicht allein eine Sache des Glücks

Interview mit dem Psychologen und Glücksforscher Dr. Stephan Lermer, Sorbas 1/2009
Teil 3


SORBAS: Es gibt Psychologen, die behaupten, dass das Glück im Umbau des Gehirns liegt. Gemeint ist damit wohl, dass wir lernen müssen, negative Erfahrungen nicht immer wieder im Kopf zu recyclen und mit düsteren Bewertungen zu interpretieren. Wie können wir negative Emotionen dämpfen und so herunterregeln, dass sie uns das Glücklichsein nicht immer wieder vermiesen?

Stephan Lermer: Seit Freud wissen wir, dass der Mensch durch Leiden lernt. Aus der Raupe wird der Schmetterling, weil er seinen Kokon akzeptiert. Leidvolle Erfahrungen können wir etwa dadurch besser bewältigen, dass wir unsere Einstellungen dazu verändern, sie als vorübergehend betrachten und darauf vertrauen, dass sie das Vehikel zu etwas Neuem sind. Glück hat viel mit Vertrauen zu tun, und zwar mit dem Vertrauen dem Leben gegenüber.

SORBAS: Bereits in der Antike haben sich die Philosophen viele Gedanken über das Glück gemacht und Rezepte für ein gelingendes Leben entworfen. So verstand Aristoteles das Glück als Weise des Lebensvollzugs. Er sah darin weniger einen glücklichen Zufall, der vom Gang der Welt abhängt, sondern einen Prozess, an dem wir durch unsere Einstellung und Art der Lebensgestaltung aktiv teilhaben. Welches sind Ihrer Meinung nach nun die Bedingungen, unter denen ein Mensch sein Leben als glücklich erfährt?

Stephan Lermer: Der Mensch kann lernen, das Glück zu sich einzuladen, indem er ihm einen würdigen Landeplatz bereitet: Ein extravertiertes Leben führen. Dem Leben mit einem Lächeln begegnen. Liebe für sich und andere verströmen. Echte, nutzbringende Leistung, die anderen gibt, was sie benötigen. Dies alles sind mögliche Wege zum Glück.

SORBAS: Ist es demnach Selbstlosigkeit, die glücklich macht?

Stephan Lermer: Mit Selbstlosigkeit hat das nichts zu tun. Sich selbst zu verleugnen führt zu nichts. Wir brauchen einen gesunden Egoismus, um existieren und überleben zu können. Der bessere Weg ist die Empfehlung aus dem Matthäusevangelium, die da lautet: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Der Königsweg zum Glücklichsein führt jedoch über das Abenteuer. Vielleicht eine Firma gründen. Durch den Dschungel radeln. Kurz: Sich etwas zutrauen und aus sich herausgehen.

Wird fortgesetzt. Lesen Sie morgen den letzten Teil des Interviews.

gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Mittwoch, 22. April 2009

Glück: Nicht allein eine Sache des Glücks

Interview mit dem Dipl.-Psychologen und Glücksforscher Dr. Stephan Lermer,
Sorbas, 1/2009
Teil 2


SORBAS: Der amerikanische Präsident Abraham Lincoln hat einmal gesagt, dass die Menschen so glücklich sind, wie sie Glück in ihrer Seele spüren. Ist Glück demnach ein Seelenzustand?

Stephan Lermer: Ganz richtig. Glück spielt sich im Inneren des Menschen ab. Es wird weniger von äußeren Dingen verursacht als vielmehr von Ideen, Gedanken und seelischen Haltungen, die sich aus unseren Vorstellungen und Handlungen ergeben.

SORBAS: Was können wir selber dafür tun, dass sich unsere seelische Befindlichkeit verbesert und wir den Weg aus dem Morast der täglichen Unzufriedenheit finden?

Stephan Lermer: Das Glück liegt in der Selbsterkenntnis: Wer bin ich? Was passt zu mir? Wo liegen meine Möglichkeiten? Am glücklichsten fühlen sich Menschen erwiesenermaßen bei selbstbestimmten Tätigkeiten. Lebensfreude stellt sich demnach immer dann ein, wenn ich die Möglichkeit habe, das zu tun, was ich tun möchte und auch tun kann. Dies setzt allerdings voraus, dass ich meine persönliche Wertehierarchie kenne. Kurz: Ich muss wissen, wer ich bin und was mich wirklich glücklich macht. Dazu braucht der Mensch ein Optimum an Autonomie und sozialer Vernetzung. Menschen müssen ihr Persönlichkeitsprofil entdecken und es mit anderen kommunizieren. Jeder sollte auf seine Weise ein Original sein und sich mit anderen durch Freundschaft und Beziehung austauschen.

SORBAS: Viele Menschen fühlen sich heute von der beschleunigten Welt und dem Maximierungsprinzip des Kapitalismus überfordert. Ist die Schnelligkeit unseres Lebens nicht auch ein Glücksvernichter?

Stephan Lermer: Mit Sicherheit. In einer immer schneller werdenden Welt mit ihren rasanten Warenströmen wird Entschleunigung zu einer Frage von Lebensqualität. Wir brauchen Muße, um zu erkennen, was uns wichtig ist. Der Schlüssel zu einem glücklicheren Leben liegt demzufolge auch in einer verbesserten Lebensqualität im Sinne einer Work-leisure-Balance. Wir müssen den Lebensgenuss wiederfinden, wie er sich etwas im Flow-Zustand ausdrückt: Eine selbstvergessene Konzentration, bei dem man eins ist mit dem, was man gerade tut. Ob beim Joggen, Malen, Musizieren oder Kochen, wann immer wir in dem aufgehen, was wir tun, geraten wir in ein Flow-Erleben, das glücklich macht. Im Zen-Buddhismus etwa lautet die Empfehlung für solche Achtsamkeit: "Wenn du sitzt, dann sitze - wenn du gehst, dann gehe - wenn du arbeitest, dann arbeite."


Wird fortgesetzt. Lesen Sie morgen, was Psychologie und Philosophie über das Glück zu sagen haben.

Dienstag, 21. April 2009

Glück: Nicht allein eine Sache des Glücks

Interview mit dem Dipl.-Psychologen und Glücksforscher Dr. Stephan Lermer,
SORBAS, 1/2009
Teil 1
Es gibt einen Witz über einen Mann namens Herbert, der seinen Herrgott jeden Tag anfleht, ihn endlich in der Lotterie gewinnen zu lassen. Zehn Jahre lang betet er jedes Wochenende inständig: "Lieber Gott, lass mich diesmal gewinnen!". Vergeblich. Als er es eines Tages erneut versucht, ist sein Zimmer plötzlich in strahlende Helligkeit getaucht und eine tiefe Stimme ruft verzweifelt: "Herbert, gib mir doch eine Chance. Kauf dir doch bitte um Himmels Willen endlich ein Los!"

Mit dem Diplom-Psychologen Dr. Stephan Lermer führen wir ein Gespräch darüber, wie wir uns das "Los" für ein erfüllteres und glücklicheres Leben ziehen können.

SORBAS: Dr. Lermer, bitte vorab eine Begriffsklärung. Was verstehen Sie unter Glück?

Stephan Lermer: Glück bedeutet zunächst einmal die Umsetzung eines sinnvollen Lebensentwurfs und die optimale Nutzung der eigenen Möglichkeiten. Wie der Baum Früchte trägt oder die Kuh Milch gibt, müssen auch wir Menschen in Übereinstimmung mit unseren Möglichkeiten leben und einen eigenen Platz im Leben finden.

SORBAS: Im Vergleich zur Generation unserer Eltern haben wir heute viel mehr Möglichkeiten, ein unseren individuellen Bedürfnissen entsprechendes Leben zu führen. Trotzdem stagniert die Lebenszufriedenheit in Deutschland. So glauben viele Menschen, dass das Leben immer schwieriger und schlechter würde. Warum tun wir, die Bewohner eines der reichsten Länder der Erde, mit dem Glück derart schwer? Sind wir Deutschen möglicherweise zu miesepetrig?

Stephan Lermer: Das sicher nicht. Aber unsere Erkenntnis ist konsumorientiert, das heißt, wir wollen haben, nehmen und besitzen. Wären wir weniger gierig und würden uns nicht ständig mit anderen vergleichen, hätten wir den ersten Schritt zum Glücklichsein bereits getan. Hinzu kommt, dass wir das Glück außerhalb von uns selber suchen. Die Befriedigung von Konsumwünschen mag zwar Lustgewinn verschaffen, aber kein Glück. Das erklärt, warum sich die durch eine Ware gewährte Lusterfülung auch so schnell als schal erweist.

SORBAS: Laut einer neuen Studie der London School od Economics and Political Science sollen die allerärmsten der Welt, die Menschen in Bangladesh, mit zu den Glücklichsten der Welt zählen. Welche Erklärung haben Sie dafür?

Stephan Lermer: Diese Menschen sind viel weniger auf Konsum aus, weil sie allein schon auf Grund ihrer Lebensumstände dazu nicht in der Lage sind. Ihnen genügt es, am Leben zu sein, Kinder zu haben. Sie haben eine völlig andere Einstellung zum Leben und gelernt, es jeden Tag aufs Neue anzunehmen. Darüber hinaus haben sie etwas, was uns hier im Westen ziemlich abhanden gekommen ist: Demut.

SORBAS: Viele Menschen hoffen darau, dass ihnen ein Lottogewinn, ein neuer Partner oder sonst ein Wunder einen dauerhaften Glückszustand beschert und sie in eine andere, glücklichere Person verwandelt. Warum sind solche Hoffnungen trügerisch?

Stephan Lermer: Das Glück als solches vermehrt sich nicht durch die Lösung äußerer Probleme. Ist das eine Problem gelöst, wartet schon das nächste. Zudem ist Glück nicht käuflich. Wohlstandsmehrung geht nämlich nicht automatisch mit Glücksempfinden einher. Empirische Forschungen belegen hinreichend, dass beispielsweise ein Lottogewinn nicht glücklich macht, es sei denn, jemand befindet sich in großer finanzieller Not und kann eine Miete nicht mehr bezahlen. Ab der Grundsicherung jedoch ist Glück nicht käuflich. So kommt es nicht von ungefähr, dass die Amerikaner sagen: "The best things of life are free." Und zu eben diesen Dingen gehören Freundschaft, Liebe, Zeit.

Wird forgesetzt. Lesen Sie morgen, wie man persönlich zu seinem Glück betragen kann.

gepostet i.a. von Dr. Stephan Lermer

Freitag, 17. April 2009

Bitte lächeln - Ihr Körper wird es Ihnen danken!

Fröhlichkeit, Optimismus und herzhaftes Lachen senken nachweislich den Gehalt an Stress-Hormonen im Blut und helfen bei der Vermehrung positiver Botenstoffe im menschlichen Kreislauf.

Der führende Psychoimmunoneurologe Dr. Lee Berk beschäftigt sich seit den frühen 80er Jahren mit der Erforschung der Auswirkungen positiver Emotionen auf Körperprozesse. Er fand unter anderem heraus, dass allein die Vorfreude auf einen lustigen Film beta-Endorphine (die zur Stimmungsregulation dienen) um 27% anstiegen. Die Produktion von Hormonen, die für die Stärkung des Immunsystems verantwortlich sind, stieg sogar um 87% an. Gleichzeitig verringerte sich der Anteil des steroiden Stress-Hormons Cortisol um 39% und die Adrenalinproduktion ging um 70% zurück.

In seiner neuesten Studie untersucht er die Auswirkungen von Fröhlichkeit auf Cholesterin, Entzündungsbildung und das Risiko für die Entwicklung kardiovaskulärer Krankheiten bei Diabetes-Risiko-Patienten. Eine Gruppe der Patienten stimmte zu, zusätzlich zur medikamentösen Behandlung eine Lach-Therapie zu absolvieren, indem sie jeden Tag für 30min lustige Videos ihrer Wahl ansahen.

Die Ergebnisse lassen eine gute Portion Optimismus zu: Innnerhalb eines Jahres stieg der Anteil an gutem HDL Cholesterin in der Lach-Gruppe um 26%, während er sich in der Kontrollgruppe ohne zusätzliche Lach-Therapie nur um 3% erhöhte. Im gleichen Zeitraum reduzierte sich der Anteil an "schlechten" Cholesterin-Derivaten um 66% - in der Kontrollgruppe mit der Standardbehandlung um 26%.

"Die besten Kliniker verstehen, dass positive Emotionen wie fröhliche Lachen, Optimismus und Hoffnung physiologische Auswirkungen haben" stellt Dr. Lee Berk fest. Und weiter: "Die Wahl des Lebensstils hat bedeutenden Einfluss auf Krankheit und Gesundheit. Und anders als Prävention und Behandlung ist das eine Wahl, die wir selbst kontrollieren."


gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Quelle: EurekaAlert, http://www.the-aps.org/press/releases/09/14.htm

Donnerstag, 16. April 2009

Depressiv durch TV-Konsum?

Fernsehen informiert und amüsiert. Es verschafft uns wichtige Anregungen und ist in der Lage, unsere Stimmung zu beeinflussen. Und nicht zuletzt fördert es unsere Selbstwirksamkeit und Entscheidungsfreude, sofern wir (und nicht unsere nächsten Angehörigen) die Macht über die Fernbedienung haben. Soweit zur Theorie.

In der Praxis zeigt sich nun ein erstaunlicher Befund: Forscher der University of Pittsburgh nahmen den TV-Konsum genauer unter die Lupe und verglichen die tägliche Fernsehzeit von Jugendlichen mit dem Risiko, eine Depression zu entwickeln. Die insgesamt 4142 Jugendlichen notierten dabei über 7 Jahre hinweg, also bis ins junge Erwachsenenalter ihre Gewohnheiten im Umgang mit Medien.

Die Teilnehmer, die zu Beginn der Studie keine depressiven Symptome aufwiesen, waren durchschnittlich für 5,68 Stunden täglich Medien ausgesetzt. 2,14 Stunden verbrachten sie davon mit fernsehen.

Gemäß der Studie führte schon ein geringfügig höherer TV-Konsum zu einem kleinen, aber bedeutenden Anstieg des Depressionsrisikos, insbesondere bei männlichen Jugendlichen.

Die Forscher um Brian Primack vermuten, dass die durch den vermehrten TV-Konsum verringerten sozialen Kontakte für das höhere Depressionsrisiko verantwortlich sind. Auch mangelnde kommunikative Fertigkeiten infolge einseitiger Rezeption der Inhalte wäre ein möglicher Grund. Durch die fortwährende Präsentation "perfekter" Menschen im TV würden sich außerdem Selbstwertprobleme einstellen.

Eine wichtige Rolle scheint vor allem die Auswahl der TV-Inhalte zu spielen. Man sollte im Allgemeinen eher solche medialen Happen genießen, die man auch verdauen kann. Außerdem sollte man sich mit den aufgenommenen Informationen kritisch auseinander setzen - am besten im Dialog mit wichtigen Bezugspersonen. So schult man die eigenen kommunikativen Kompetenzen.



gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Quelle: Primack, B. et al. (2009). Association between media use in adolescence and depression in young adulthood: a longitudinal study. Archives of general Psychiatry, 66, pp. 181-188

Mittwoch, 15. April 2009

Wie kann ein Mensch so etwas tun?



"No Angel" Nadja Benaissa soll trotz ihrer HIV-Infektion ungeschützten Sex mit Männern gehabt haben. Dr. Stephan Lermer im Interview mit Radio FFH über die psychologischen Hintergründe der Taten:






Mehr Informationen auf der Homepage von
HIT Radio FFH

gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer